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Mutterpass Wie viel Kontrolle braucht Ihr Kind?

Vorsorge – Screenings – Tests – Untersuchungen

finden sich in über 500 Feldern und -spalten.
Was alles untersucht und getestet werden könnte, bestimmen die Ärzteverbände zusammen mit den Krankenkassen, welche die Kosten übernehmen. Absprachen werden in Mutterschaftsrichtlinien (MuschRL) festgehalten, die lediglich für Ärztinnen und Ärzte bindend sind.
Der „Gemeinsame Bundesausschuss“ (G-BA) aller Arzt-Länderkammern ist Verfasser und Herausgeber des Mutterpasses. Hebammen oder Eltern sind dort nicht vertreten.

Für Eltern gilt:
Vorsorge ist freiwillig, kostenlos und sinnvoll. Es ist Elternrecht, die Vorsorge in Anspruch zu nehmen oder nicht. Elternrecht einschließlich der gesundheitlichen Selbstbestimmung steht verfassungsrechtlich über dem ärztlichen Berufsrecht.
Faustregel: Vorsorge sind die Untersuchungen, die von Hebammen durchgeführt und in den Mutterpass eingetragen werden.

Pränataldiagnostik und IGe-Leistungen sind zusätzliche Wahlleistungen des Gesundheitsmarkts, die bei fehlender medizinischer Indikation (Notwendigkeit) selbst zu zahlen sind. Diese Angebote sind keine Vorsorge! Auch sie sind freiwillig. 

Im Mutterpass ist nicht zu unterscheiden zwischen Vorsorge, Pränataldiagnostik und  IGe-Leistungen.
Verwirrend ist, dass  IGe-Leistungen teilweise von den Krankenkassen bezahlt werden (z.B. Ultraschall und Diabetes-Test). Dadurch entsteht ein Mitnahmeeffekt in der Annahme. "Was nichts kostet wird doch wohl gut sein, Arzt und Krankenkassen müssen es ja schließlich wissen."

Wenn Sie eine Untersuchung machen lassen möchten, ist es wichtig, deren Sinn zu verstehen und zu wissen, welche Fragen der Test nicht beantworten kann. Im Interesse Ihres Kindes müssen Sie genau abwägen, ob Sie einer Testung zustimmen oder nicht. (z. B. bei der gefährlichen Fruchtwasserpunktion). Wenn Sie kein behindertes Kind in der Verwandtschaft haben, wenn es keinen Diabetes oder andere Erkrankungen gibt, gibt es keinen Grund, Untersuchungen und Tests durchführen zu lassen, weil sie angeboten werden. Letztlich werden immer Ängste geweckt oder geschürt, die schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen sind, wenn sie erst einmal da sind.
Die Hoffnung wie auch die Sorge angesichts der Ungewissheit, ob Ihr Kind gesund sein wird, ist Teil jeder Schwangerschaft. Dass daraus ein Milliardengeschäft geworden ist, hat etwas mit cleveren Verkaufs-Strategien und damit zu tun, dass Eltern unzureichend informiert sind.

Den eigenen Weg zu finden gelingt, wenn Sie sich auf "weniger ist mehr" besinnen und auf Ihr eigenes Gefühl und Ihr Inneres achten und hören. Nur 10-15 von 100 Frauen benötigen teilweise ärztliche Unterstützung. Die sollen sie auch bekommen. Für 85 von 100 Frauen genügt Vorsorge, die einige Grunddaten im Auge hat, z.B. den Eisengehalt des Blutes, Urin, Blutgruppe, Rhesusfaktor und die Einschätzung der Schwangerschaftsdauer. Sie können sicher sein, dass Ihnen bei Unklarheiten die Hebamme "vorsorglich" rät, einen Arzt aufzusuchen, um Fragen abklären zu lassen.

Wir raten von Screenings/Reihenuntersuchungen ab, weil sie der Auslese dienen und dem Aufspüren von Kindern, die irgendwelchen Normen nicht entsprechen. Es sind v.a. Ultraschalluntersuchungen, die zu diesem Zweck eingesetzt werden und ein Bluttest. Kein Test ergibt eine 100 %ige Sicherheit. Das ist fatal für die Befindlichkeit der Eltern, die mit ihren Sorgen und Ängsten allein bleiben und praktisch gezwungen sind, Folgetests zu machen. Abbruch der Schwangerschaft  ja oder nein, und wenn nicht, was dann, und wenn doch, was könnte dann sein? Ein Spirale, die  schwer wieder zu stoppen ist, eine sog. Entscheidungsfalle.
Wer bestimmt, was die Norm ist? Zu häufig falscher Alarm und schwere Entscheidungsnöte, zusätzliche Untersuchungstermine, Unruhe, Angst, Panik und Stress in der Partnerschaft, wenn man sich nicht einig ist, das Kind schon zu spüren ist und das Gefühl der Mutter sagt, dass alles gut ist.
Immer wieder ist auch von pränatalen Untersuchungsergebnissen zu hören, die sich bei der Geburt als falsch erweisen.

Wir möchten Sie ermutigen, sich Ihrer Elternrechte bewusst zu sein und Mutter Natur und dem eigenen Befinden zu trauen. Sie brauchen keinen Arzt und keine Hebamme für die Beantwortung der Frage, wie Ihr Befinden ist. Eine kluge, maßvolle Vorsorge bei Hebamme und/oder Ärztin/Arzt Ihres Vertrauens (Notfalls können Sie den Arzt oder die Hebamme wechseln. Das ist rechtlich möglich.) gibt Ihnen die Sicherheit, die Sie brauchen, um sich selbst vertrauen zu können und für Fragen eine Ansprechpartnerin/einen Ansprechpartner zu haben.
Der erste Satz im Mutterpass ist wirklich zu beherzigen: "Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Vorgänge und stellen keine Krankheit dar."

Dieses ist der einzige Satz im Mutterpass, der Vertrauen geben kann.
Alle weiteren Tests und Checks zeigen das Übermaß und Ausmaß von Ängsten seitens der Ärzteschaft. Es ist verständlich, dass Ärzte sich absichern und vermeiden wollen, dass sie für etwas haftbar gemacht werden, was sie übersehen haben. Ärzte sind für krankhaftes/pathologisches Geschehen während Schwangerschaft und Geburt ausgebildet. Kenntnisse über den naturgemäßen Schwangerschafts- und Geburtsverlauf sind kaum Teil ihrer Ausbildung. Als Eltern dürfen Sie die Flut von Testangeboten mit Abstand und kritisch betrachten und im Auge haben: Wer verdient daran, wem nützt was letztlich? Was bedeutet das für das Baby, das nie wieder so verletzlich ist, wie in den ersten neun Monaten seiner Entwicklung? Zu seinem Wohlbefinden tragen Vorfreude, Vertrauen, Entspannung und Liebe.

Die Broschüre "MutterBabys Weg durch Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit" gibt Antworten auf vieles, was im Mutterpass fehlt.