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Feinultraschall: Wahlleistung statt 2. Basisultraschall

Feinultraschall - Organultraschall - Organscreening - Fehlbildungsdiagnostik (DEGUM II)

Ultraschall ist eine ärztliche Dienstleistung, die nicht Teil der Vorsorge ist, sondern Pränataldiagnostik. Bis zu drei Basis-Ultraschalluntersuchungen um die 10., 20. und 30. Woche herum können von der schwangeren Frau als Kassenleistung in Anspruch genommen werden. 
Der sog. Feinultraschall kann statt der 2. Ultraschalluntersuchung wahrgenommen und ab der 19. Schwangerschaftswoche (SSW) durchgeführt werden. In der Regel erfolgt er zwischen der 20. und 22. (SSW). Bei Risikoschwangerschaften wird routinemäßig zu der Untersuchung geraten. Eltern sind in keinem Fall dazu verpflichtet, irgendeine Untersuchung durchführen zu lassen.
Für die Feinultraschalluntersuchung wird ein hoch auflösenden Gerät benutzt, d.h. das dabei verwendete Ultraschallgerät ist weiter entwickelt als die üblicherweise benutzten. Das ungeborene Kind wird ca. 50 bis 60 Minuten lang hoch intensiven Ultraschallwellen ausgesetzt.

Der Körper und die Organe des Kindes werden auf Normabweichungen untersucht.
Als Indikationen gelten:

  • vorangegangene Schwangerschaften mit Chromosomenstörungen,

  • Erbkrankheiten bei den Eltern oder Erkrankungen der Mutter, die sich negativ auf die Entwicklung eines Kindes auswirken können (beispielsweise Diabetes mellitus),

  • Einnahme von Medikamenten in der Frühschwangerschaft, eine intensive Röntgenuntersuchung oder Strahlenbehandlung,

  • eine familiäre genetischer Vorbelastung,

  • Probleme während einer früheren Schwangerschaft,

  • Auffälligkeiten bei den Screenings,

  • Mehrlingsschwangerschaften.

Wenn einer dieser Faktoren vorliegt, wird das Feinultraschall von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, ansonsten muss die Schwangere die Untersuchung selbst zahlen, wenn sie diese wünscht. Ohne medizinische Indikation ist diese Untersuchung eine IGeLeistung.

Die Untersuchung kann von auf Fehlbildungsdiagnstik spezialisierten Frauenärzten oder Zentren durchgeführt werden. Untersucht werden können:

  • alle gut darstellbaren Organe des Kindes, wie das Gehirn, der Magen, die Nieren, die Harnblase und das Herz,

  • ob die altersgemäße Entwicklung des Kindes der Norm entspricht,

  • die Fruchtwassermenge,

  • der Blutfluss in der Nabelschnur,

  • Lage und Aussehen des Mutterkuchens (Plazenta),

  • Durchblutung der Gebärmuttergefäße zur Prüfung der Plazentaversorgung und -reife

Geprüft wird dabei: Sind alle Gliedmaßen vorhanden? Sind Bauchwand, Wirbelsäule, Schädelkalotte gesund? Ist eine Kiefer-Gaumenspalte auszuschließen? Kommt es beim Organultraschall zu einer Unsicherheit oder Verdachtsdiagnose, wird den Eltern nahegelegt, weitere Untersuchungen, wie eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder Nabelschnurpunktion durchführen zu lassen. Der schwangeren Frau und ihrem Partner sollte bewusst sein, dass eine Ultraschalluntersuchung niemals alle körperlichen oder chromosomalen Fehler und nicht alle Krankheiten eines Menschen aufzeigen kann.

Fazit
Durch Fein- beziehungsweise Organultraschall sollen Normabweichungen gefunden bzw. diagnostiziert werden. Eltern sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass sie vor schwere Entscheidungen gestellt werden können. Wenn Sie sich sicher sind, dass für Sie eine Spätabtreibung nicht in Frage kommt, erübrigt sich der Feinultraschall, der allein aufgrund seiner Dauer für das Kind eine Belastung darstellt.* Tests können nicht heilen. Verdachtsdiagnosen führen häufig zu weiteren Untersuchung bzw. gelten sie gelten als medizinische Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch. Jegliche Verdachtsdiagnose wird den weiteren Schwangerschaftsverlauf beeinflussen, selbst wenn sie sich nicht bestätigt.

*Dazu verweisen wir auf eine Veröffentlichung im Ärzteblatt zu wandernden Neuronen, die durch Ultraschall irritiert werden und ihre Fähigkeit verlieren, an den Ort ihrer Bestimmung zu wandern.

Ärzteblatt