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Geburt verstorbenes Kind

Anmerkungen zur Geburt eines toten Kindes

Durch den Fortschritt der Medizin sind wir immer weniger mit den Dingen des Lebens konfrontiert als noch vor einigen Jahrzehnten. So ist es ein besonderer Schock, wenn während einer Vorsorgeuntersuchung zu Hause bzw. in der Praxis der Hebamme oder des Arztes festgestellt wird, dass das Herz des kleinen Kindes aufgehört hat zu schlagen.
Eltern sind wie benommen, verstehen nicht, wie das passiert ist, besonders wenn sie alle gewünschten Untersuchungen haben ausführen lassen. Sie brauchen Zeit und einfühlenden Beistand. Entscheidungen sind zu treffen, Behördengänge sind zu erledigen, deren Wichtigkeit ihnen im Vergleich zu ihrem immensen Leid so nichtig vorkommt.
In den meisten Fällen bekommen sie noch in der Arztpraxis (Die Vorsorgehebamme wird sie zur Abklärung mittels Ultraschall dorthin überwiesen haben.) eine Einweisung in die Klinik zur Einleitung der Geburt.
Hier fängt die Begleitung einer erfahrenen Fachperson an. Viele Hebammen, besonders wenn sie dieses Elternpaar in der Schwangerschaft betreut haben, sind eine gute emotionale erste Hilfe.
Es ist nicht zwingend, die Geburt des Kindes einzuleiten. Der Körper der Mutter kann auch mit einem verstorbenen Kind umgehen. Die Hormonumstellung wird in kurzer Zeit aktiviert, so dass die Geburt des Kindes auf natürlichem Wege geschehen kann. Auch sollten Eltern Geschichten von „Vergiftungen“ der Mutter durch das tote Kind keinen Glauben schenken.
Zuerst sollte/n die Mutter/die Eltern nach Hause fahren, um sich im Schutzraum des eigenen Heimes ihrem Schmerz hingeben zu können. Wenn es Geschwisterkinder gibt, sollten diese für die ersten Stunden zu Großeltern oder Freunden gegeben werden. Wenn die Eltern den größten Schock überwunden haben, ist es ratsam, die Kinder zurückzuholen. Dann müssen Mama und Papa den Kindern mit ihren Worten erklären, dass das Geschwisterchen leider nicht mehr lebt. Auch nicht regelmäßige Kirchgänger können z. B. sagen, dass die Seele des Babys zurück zum lieben Gott gegangen ist und nun bei den Engeln im Himmel wohnt. Das erleichtert in der Zeit danach den Kontakt zum Geschwisterchen im Gespräch und ggf. in Gebeten. Und immer sollte es mit seinem Namen erwähnt werden. Kinder sind möglicherweise viel feinfühliger als Erwachsene, weil sie noch eine innere Verbindung zu dieser anderen Welt haben. Sie können daher den Tod eines geliebten Menschen viel besser verkraften und „einordnen“ als wir. Und - nicht vergessen: Eltern sollten ihren Tränen freien Lauf lassen, gerade vor den Kindern! Somit lernen diese, dass auch Trauer und Schmerz ausgedrückt werden dürfen, und dass diese Gefühle eines Tages auch wieder nachlassen.
Auch wenn es weh tut – es sollte ein Bestatter informiert werden, um alle Formalitäten vorzubereiten.

Bitte auch eine Bemutterung von nahen Verwandten und Freunden durch mitweinen, trösten, den Schmerz mit tragen, das Kochen/Fertigen von Mahlzeiten etc. annehmen! Eltern brauchen so viel Liebe in diesen Tagen.
Wenn die Wehen nicht in einer für die Eltern erträglichen Zeit einsetzen - das kann einige Tage dauern, gilt es, an eine Einleitung der Geburt zu denken. Auch hier ist die betreuende Hebamme diejenige, die die Vor- und Nachteile erklären kann. Z.B. wird es immer ein schwieriges Unterfangen sein, da die Gebärmutter noch unreif ist. Sie braucht ihre Zeit für diesen Prozess. Es empfiehlt sich, mit sanften Mitteln zu beginnen, auch wenn es dadurch etwas länger dauert. Nicht nur der Körper der Mutter, auch Herz und Seele müssen mit dem Geschehen mitgehen, begreifen, und zum Schluss das kleine Kind loslassen können. Danach sind Trauer und Schmerz über den Verlust viel besser von Mutter und Vater zu verarbeiten.
Es ist keine Hilfe, der Mutter dämpfende Medikamente zu geben oder Mittel zur totalen Schmerzausschaltung (PDA). Die Aufarbeitung wird danach viel schwieriger oder gänzlich verdrängt werden. Zusammen mit den Schmerzen der Geburt werden auch seelische Schmerzen verarbeitet. So kann die Mutter ihren Schmerzen Ausdruck geben, ohne irgendwelche Hemmungen zu verspüren. BegleiterInnen bei der Niederkunft müssen dies verstehen und sollten nicht nach einer Betäubung oder Schmerzausschaltung rufen.
Wenn das Baby geboren ist, kann die Mutter ihr kleines Kind in die Arme nehmen. Es ist noch körperwarm und scheint zu schlafen... Auch für Beistehende ist dies ein zu Herzen gehender Augenblick. Es ist wichtig, alle Gefühle, die Schmerzen wie die Trauer, zuzulassen. Die Liebe für dieses Kind soll nicht zurückgehalten werden in der Hoffnung, dass das Loslassen dann einfacher wird. Auch die Bindung an ein totes Kind muss gewürdigt werden, damit der Abschied langfristig erträglich wird.
Natürlich dürfen Eltern entscheiden, ob sie selbst das Kindchen anziehen möchten, wie lange sie es halten möchten, ein Photo machen....
Vergessen werden sollte auch nicht, dass die Mutter Wöchnerin ist und einen Anspruch auf die weitere Unterstützung ihrer Hebamme hat. Diese wird evtl. Abstillmöglichkeiten kennen, die eine Hormontherapie gut ersetzen können.
Wenn ein Kind sich sehr früh verabschiedet, so ist es dann auch möglich, die Geburt geschehen zu lassen. Der Körper wird sich vom Kinde trennen. Eine Blutung wird einsetzen, die sich im Rahmen einer Regelblutung halten wird. Auch hier kann die Hebamme mit Rat zur Seite stehen. In der gynäkologischen Praxis kann danach ein Hormontest gemacht werden, um sicher zu sein, dass sich alles aus der Gebärmutter gelöst hat. Eine Ausschabung ist normalerweise nicht notwendig. Diese verursacht Verletzungen in der Gebärmutterschleimhaut und kann die Einnistung eines nächsten Kindes erschweren.

Eva-Maria Müller-Markfort