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Geburt im Krankenhaus

Reformen überfällig

97 % aller Frauen gehen in die Klinik. So entsteht der Eindruck, das Krankenhaus sei der beste und sicherste Ort, um ein Kind zu bekommen.
Angesichts von über 30 % Kaiserschnitten, 93 % Eingriffen bei der Geburt und 9 % Frühgeburten pro Jahr (ca 71000 Kinder) hinterfragen immer mehr Menschen Klinikgeburten. Trotzdem entstehen immer größere Geburtsabteilungen, kleine hingegen schließen. Klinikkonzentration, entsprechend dem Marktgeschehen bei Supermarktketten.

Die Klinikgeburt ist anonym, technisch und medikamentös dominiert. Für viele Hebammen ist es unerträglich, ihren Beruf unter solch widrigen Bedingungen auszuüben. Immer mehr Fachpersonen warnen vor den Folgen dieser Entwicklung für Frauen und Babys.
Wir haben uns entschlossen, Ihnen von dem zu berichten, was Eltern erlebt haben. Wir meinen, dass wir es nicht verantworten können, Sie im Blick auf die Klinikgeburt unwissend zu lassen. Nur wer informiert ist, kann wirklich wählen.

Die Klinikgeburt muss reformiert werden.
Eine Reform der Klinikgeburt muss auch von Eltern gefordert werden. Eltern sollten immer auch im Namen des Kindes überlegen, was Sie unterschreiben und was nicht. Als Eltern sind Sie Betroffene. Sie haben Rechte, die über dem ärztlichen Berufsrecht stehen (s. Elternrechte und Kinderrechte).

Wir haben hier komprimiert für Sie zusammengestellt:
1. Wann ist die Klinikgeburt erforderlich und sinnvoll?
2. Aktuelle Missstände
3. Beispiele für Routinehandlungen in der Klinik
4. Faktor Zeit
5. Personalmangel und -wechsel und die Folgen
6. Sicht von Therapeuten und Pränatalpsychologen
7. Was Eltern tun können

1. Wann ist die Klinikgeburt erforderlich und sinnvoll?
Bei etwa 10-15 von 100 Geburten wird ärztliche Hilfe gebraucht. Die ärztliche Kunst kann im Krankheitsfall das Leben von Mutter und Kind retten. Das ist anzuerkennen und zu würdigen. Es ist aber nicht gerechtfertigt, dass sehr viele Frauen ab dem Ausstellen des Mutterpasses so behandelt werden, als seien sie krank. Das ist kritikwürdig und widerspricht dem, was die WHO sagt, dass es nämlich nicht zu rechtfertigen sei, dass mehr als 10 – 15 % Kaiserschnitte gemacht werden.

2. Aktuelle Missstände

10-15 % schwangerer Frauen, die ärztliche Hilfe brauchen rechtfertigen nicht, dass tausendfach Routinehandlungen ausgeführt werden, die für Mutter und Kind belastend sind. In den Kliniken spielen wirtschaftliche Überlegungen eine große Rolle. Eine kostendeckende Geburtshilfe kann dort nur geleistet werden, wenn Eingriffe getätigt werden, die von den Krankenversicherungen bezahlt werden, auch wenn diese nicht notwendig sind. So kommen Medikamente, Technik und Operationen zum Einsatz, obwohl die schwangeren Frauen gesund sind und eine normale Geburt zu erwarten ist. Das geht zu Lasten von Mutter- und Kindergesundheit. Das kommt durch ein falsches Abrechnungssystem. Das muss sich ändern.

3. Beispiele für Routinehandlungen in der Klinik

Routinehandlungen erfolgen ohne individuelle Diagnose. Sie wurden für kranke Gebärende entwickelt und Schritt für Schritt auf alle gebärenden Frauen angewendet. Z.B. werden Braunülen am Handgelenk angelegt, um im Bedarfsfall Medikamente über einen Tropf einlaufen zu lassen. Dauer-CTGs werden aus Personalmangel angelegt. Sie messen die Wehen und zugleich den Herzschlag des Kindes, eine Dauerbeschallung für das Baby und eine Bewegungsbehinderung für die Mutter. Zur Verfeinerung des CTG (Ultraschall), wird mancherorts während der Geburt zwei spitze Metalldrähte (Kopfschwartenelektrode) in die Kopfhaut des Babys gedreht, noch bevor es geboren wurde, um den Herzschlag noch genauer messen zu können. Dabei werden die Kabel, die durch die Vagina geführt werden, am Bein der Gebärenden festgeklebt. Dieses Verfahren wird seit ca. 25 Jahren ungefragt angewandt, zurzeit mit abnehmender Tendenz. Die Mikroblutuntersuchung (MBU) wird so durchgeführt, dass dem ungeborenen Kind mehrfach in die Kopfhaut geschnitten wird, um Blut abnehmen zu können. Diese Körperverletzungen wären nach der Geburt strafbar.

4. Faktor Zeit

Bei 20 % aller Frauen werden künstliche Wehenmittel verabreicht, auch wenn die Frauen eigene Wehen haben, weil der Faktor Zeit in der Klinik eine große Rolle spielt. Die Taktung von Eröffnungsphase, Geburt und Plazentarphase (erst wenn die Plazenta geboren ist, ist auch die Geburt physiologisch beendet) wird medikamentös gesteuert, um den klinischen Zeitplan einhalten zu können.
In den meisten Krankenhäusern werden routinemäßig Fruchtblasen der Kinder gesprengt und Dammschnitte durchgeführt, um die Geburt zu beschleunigen. Aus Zeitgründen, aber auc, um an das begehrte Nabelschnurblut mit seinen Stammzellen zu gelangen, wird oftmals unmittelbar nach der Geburt abgenabelt. Dadurch verliert das Kind bis zu einem Drittel seiner Gesamtblutmenge, das sich noch in der Nabelschnur und in der Plazenta befindet. Ein Drittel des kindlichen Blutes fehlt dem neugeborenen Kind zu Beginn seines Lebens, weil ihm nicht genug Zeit gegeben wird, in Ruhe sein Nabelschnurblut in sich aufzunehmen und die Umstellung auf die Lungenatmung in Ruhe zu bewältigen.
Physiologische Prozesse brauchen Zeit, um sich entwickeln zu können. Dem steht im Krankenhaus gegenüber, dass aus Zeitgründen die Länge der Geburtsphasen normiert wurde.
Auf Station kann es darum passieren, dass Ihnen Wehenmittel zur Beschleunigung der Geburt verabreicht werden, obwohl Sie natürliche Wehen haben. Hierbei spielen wirtschaftliche Gründe eine Rolle: Der Kreißsaal soll ausgelastet sein. Ist er überfüllt, gibt man Ihnen einen Wehenhemmer, um die Geburt hinauszuzögern.
Dammschnitte sind ebenso an der Tagesordnung wie die Verabreichung von hochpotenten Schmerz- und Betäubungsmitteln oder Oxytocin nach der Geburt, um die Plazenta-Ablösung zu beschleunigen. Diese Eingriffe werden meist routinemäßig durchgeführt, ohne dass Sie im Einzelnen informiert werden.
Ca. 93 % der Klinikgeburten werden durch solche Handlungen beeinflusst. Das ergab eine Auswertung 2008 von ca. 1 Mill. Krankenhausdaten in Niedersachsen

5. Personalmangel und -wechsel
Sie müssen in der Klinik mit Personalwechsel und -mangel rechnen, d. h. meist betreut eine Hebamme mehrere Geburten parallel. Daher findet in den großen Kliniken die "Überwachung" der Gebärenden hauptsächlich über einen Monitor statt. Die Messdaten werden ins Hebammen-Dienstzimmer übertragen. Es wurde 2014 veröffentlicht, dass es bei 50 % der CTG-Messungen zu falschen Ergebnissen kommt im Hinblick auf die Gefährdungslage des Kindes. (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG)
Bei Auffälligkeiten auf dem Monitor kommt die Hebamme zu Ihnen. Sie hat häufig 3-4 Frauen gleichzeitig zu begleiten. Da ist es schon mal entlastend, wenn zwei Frauen zum Kaiserschnitt „gehen“. Aufgrund der zunehmenden Konzentrierung von Krankenhäusern zu Großeinheiten und Schließungen kleiner Häuser ist mit einer Zunahme dieser Entwicklung zu rechnen. Zugrunde liegt das Denken, dass die Masse die Kosten senken und den Erlös steigern kann, ganz so wie die Produktion von Stückgut am Fließband.

6. Sicht von Therapeuten und Pränatalpsychologen
Fachpersonen verlangen eine Reform der Klinikgeburt. Die Persönlichkeitsrechte der Gebärenden und des Babys und naturgemäße Geburtsverläufe müssen mehr Beachtung finden und respektiert werden. Die individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen von medizinisch manipulierten Geburten sind aus Sicht vieler Pränatalpsychologen, Therapeuten und Mediziner nicht länger zu verantworten.

7. Was Eltern tun können
Eltern können den Geburtsort wählen (zuhause, Geburtshaus, Hebammenpraxis, ambulant mit der eigenen Hebamme oder stationär in der Klinik, Hebammenkreißsaal oder arztgeleiteter Kreißsaal).
Für den Fall, dass eine Klinikgeburt sein soll, vergleichen Sie verschiedene Kliniken. Melden Sie sich rechtzeitig zum Gespräch an. Gehen Sie, wenn Ihnen das Angebot und die Menschen nicht zusagen. Schreiben Sie auf, was Sie fragen wollen. Sagen Sie, was Sie nicht wollen. Sie haben Elternrechte im Sinne von Verantwortung für Ihr Kind. Schützen Sie sich und Ihr Kind vor Routine. Es ist nicht egal, wie Ihr Kind geboren wird.
Die Klinik sichert sich ab, indem Eltern für alle Maßnahmen unterschreiben sollen. Lassen Sie die Klinik aufschreiben, was Sie nicht wollen. Fragen Sie nach Elterngesprächen nach der Geburt.
Kliniken sind zunehmend auch an Verbesserungen interessiert. Gespräche bringen mehr als gerichtliche Auseinandersetzungen.