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Kaiserschnitt niedrige Rate in antroposophischen Kliniken

Schnelle Lösung, lange Folgen?

Wissenschaft und Forschung: News
News 1: Kaiserschnitt – schnelle Lösung, lange Folgen?

Auch wenn sich die anthroposophischen Kliniken gegen den weltweiten Trend stemmen: In Deutschland kommt inzwischen jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zu Welt. Inzwischen ist bekannt, dass es nicht für alle Kaiserschnitte eine medizinische Indikation gibt – Unkenntnis, Fehlanreize und Ängste spielen eine große Rolle. Anthroposophische Kliniken setzen anders an: „Es ist einfach so: Die allermeisten Geburten lassen sich natürlich begleiten. Daran orientieren wir uns. Für mich ist eine niedrige Sectio-Rate ein Qualitätsindikator. Als ich Geburtshilfe vor zwanzig Jahren gelernt habe, war das noch selbstverständlich – heute ist es das nicht mehr“, sagt Dr. Hauke Schütt, Leitender Arzt der Geburtshilfe der Filderklinik, deren Sectio-Rate bei 14,2 (2016) liegt.
Die unmittelbaren Risiken eines Kaiserschnitts, zu denen Infektionen oder Embolien gehören, sind heute gering. Anders sieht es mit den Langzeitfolgen aus. Diesen langfristigen Konsequenzen – ob positiv oder negativ – ist eine aktuelle Meta-Analyse aus Schottland nachgegangen, in der eine randomisiert kontrollierte Studie sowie 79 Kohortenstudien mit Daten von rund 30 Millionen Frauen ausgewertet wurden.
Kaiserschnitte können gesundheitliche Nachteile mit sich bringen:
„Für die Frau bedeutet ein Kaiserschnitt, dass spätere Schwangerschaften erschwert werden (Subfertilität) oder häufiger in einer Fehl- oder Totgeburt enden. Fehllagen der Plazenta (Placenta praevia) können die Geburt erschweren oder durch eine langsame Ablösung (Placenta accreta) nach der Geburt zu verstärkten Blutungen führen (weshalb viele Frauenärzte bei weiteren Schwangerschaften erneut zur Indikation einer Sectio neigen). Auch für das Kind kann eine Schnittentbindung langfristig von  Nachteil sein. Epidemiologische Studien zeigen, dass die Kinder später häufiger an Asthma leiden und ein Übergewicht entwickeln. Dies wird mit dem fehlenden Kontakt mit dem Mikrobiom der Vagina in Verbindung gebracht, die die Entwicklung der Darmflora verzögert, was wiederum Immunsystem und Darmfunktion beeinflussen soll“, schreibt das Deutsche Ärzteblatt (online am 24. Januar 2018).

Quelle: DAMID, Februar 2018