geburts abc

Umdenken! Forderung Arbeitskreis Frauengesundheit

Der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie
und Gesellschaft (AKF) e.V. veröffentlicht Arbeitspapier


„Es ist Zeit, den Umgang mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu überdenken.“


Zitatensammlung aus dem Arbeitspapier:
Zur Praxis, Pathologien zu bescheinigen, um die Vorsorge kostendeckend abrechnen zu können:
„…Auch durch die Vergütungsstrukturen werden finanzielle Anreize für die Einstufung von Schwangeren als Risikopatientinnen und für überflüssige Untersuchungen gesetzt. FrauenärztInnen können heute ohne „labelling“ keine kostendeckende Schwangerenvorsorge erbringen, d.h. ohne den Schwangeren nicht mindestens eine, häufig jedoch mehrere, Krankheitsdiagnosen zuzuschreiben.“

Zur Frühgeburtlichkeit (ca. 60 000 Kinder pro Jahr, davon ca. 10 000 unter 1500 g):
„Psychosoziale Aspekte spielen in der Schwangerenbetreuung eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen zum Beispiel in entscheidendem Maße die Frühgeburtlichkeit, die heute die Hauptursache der perinatalen Morbidität und Mortalität ausmacht. Deutschland hat mit rund 9% die höchste Frühgeburtenrate Europas.“

Geburtsmedizin, dominiert von Technik und Medikamenten:
„Zahlen zur Geburtshilfe spiegeln die Situation der schwangeren Frauen in der heutigen Geburtsmedizin wieder: Jede vierte Geburt wird eingeleitet, jede dritte wird medikamentös beschleunigt und beeinflusst. Geburtsabläufe in Kliniken sind vornehmlich den Regeln der Klinikorganisation und den jeweiligen technischen und ökonomischen Möglichkeiten und Zwängen untergeordnet. (98% der Frauen bekommen ihr Kind in einer Klinik.) Rund 30 Prozent der Frauen erhalten einen Dammschnitt. Die Kaiserschnittrate beträgt inzwischen 30 Prozent und liegt mindestens doppelt so hoch, wie dies aus medizinischer Sicht nötig wäre.
Angesichts dieser Daten ist die Potenz der Frauen zu gebären aus dem Blick geraten. Stattdessen werden die allermeisten Schwangeren zu Patientinnen…gemacht.“

Zum Wochenbett, der aus dem Blick geratene Schonzeit:
„Häufig bleibt die Mutter in der sensitiven Zeit des Wochenbetts sehr bald allein mit den neuen Anforderungen. Alleinsein, Verunsicherung und Überforderung sind bedeutsame Risikofaktoren für Stillschwierigkeiten, nachgeburtliche Depressionen und Bindungsstörungen zum Kind.“
Forderung des AKF: Eine bezahlte, mindestens 14-tägige Wochenbettzeit für den Partner der Mutter einführen.

Aufruf "Es ist Zeit..."