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Väter bei der Geburt

Keine richtige oder falsche Antwort


Kulturhistorisch neu ist, dass die Teilnahme von Vätern an der Geburt die Regel und nicht die Ausnahme ist. Die scheinbare Normalität verdeckt, dass in vielen Kulturen die Teilnahme mit mächtigen Tabus und Verboten belegt war und ist. Die Geburtssituation ist so intim, dass sie – würden die Gefühle zugelassen – Angst, Scham und Peinlichkeit auslösen würde. Dass diese Gefühle selten diskutiert werden, bedeutet nicht, dass sie nicht existieren und wirken.

Nach dreißig Jahren Erfahrung mit der Anwesenheit von Vätern bei der Geburt ist es an der Zeit, Vor- und Nachteile sys-tematisch retro- und prospektiv zu erforschen. Welchen Wert hat die Anwesenheit des Vaters? Intensiviert der frühe Kontakt während der Schwangerschaft und Geburt z.B. die spätere Vater-Kind-Beziehung? Was ist für ihn eine „gute“ Geburt, was ist es für sie? Welche Erwartungen hat das Paar aneinander? Welche verdeckten Ängste existieren bei beiden? Ein möglicher Zusammenhang zwischen Technisierung der Geburten und die Anwesenheit von Vätern muss geprüft werden.

Der Begriff des Kulturschocks sollte in die Debatte aufgenommen werden, sowohl im Hinblick auf deutsche Väter wie auch auf Migranten, die durch die gesellschaftliche und die Geschlechterkultur in doppelter Weise davon betroffen sind. Unabdingbar ist eine Geburtsvorbereitung für Männer. Aus Frauensicht sollte sie neben der sachlichen Vorbereitung auf den Geburtsverlauf auch auf die existenzielle und spirituelle Bedeutung der Geburt eingehen. Öfter vorgebrachte Vorschläge wie: ein Crashkurs für Männer, knapp, kurz, fünf Fragen – fünf Antworten, oder: die Geburt muss für Männer wie ein Märklin-Baukasten beschrieben werden, erfassen nicht das Wesen der Geburt und können im ungünstigen Fall eine männliche Dynamik in die Situation bringen, die den Geburtsablauf schwierig machen kann und aus dem gemeinsamen Erlebnis Geburt ein heikles Gegeneinander machen.

Petra Otto
Petra Otto ist Diplompädagogin
Mitglied Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG)
und im Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF)

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