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Vitamin K

Kleine Einführung

Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, welches in den Formen K1 und K2 existiert.
Vitamin K1 wird vom Menschen in erster Linie über grünes Gemüse aufgenommen, während Vitamin K2 mithilfe von Darmbakterien im Körper selbst gebildet werden kann.

Eine der wichtigsten Funktionen dieses Vitamins beruht auf der Aktivierung einzelner Schritte der Blutgerinnung; d.h. ein Mangel an Vitamin K kann das Entstehen von Blutungen begünstigen. Darüber hinaus spielt Vitamin K auch im Knochenstoffwechsel eine große Rolle.

Was hat das nun mit unseren Babys zu tun??

Menschenbabys kommen mit einem sehr niedrigen Blutspiegel an Vitamin K zur Welt. Vitamin K wird während der Schwangerschaft kaum über die Plazenta übertragen und ist auch in der reifen Muttermilch nicht in nennenswerten Mengen vorhanden – einzige Ausnahme: das Kolostrum, die allererste Milch, die das Baby in den ersten Tagen nach der Geburt aus der Brust bekommt.
Künstliche Säuglingsnahrung hingegen ist mit höheren Mengen Vitamin K angereichert.

Es gibt ein extrem selten auftretendes Krankheitsbild, den sogenannten „Morbus haemorrhagicus neonatorum“, die „Vitamin-K-Mangelblutung, die bei ca. 1 von 10.000 lebendgeborenen Kindern auftritt. Hier ist der Vitamin-K-Mangel so gravierend, dass es zu inneren Blutungen kommen kann, die dann durch das unterentwickelte Gerinnungssystem nicht gestoppt werden können. Diese Blutungen können beispielsweise im Verdauungstrakt, der Lunge oder dem Gehirn auftreten.

Studien haben gezeigt, dass diese inneren Blutungen mit sehr großer Sicherheit durch die nachgeburtliche Gabe von Vitamin K1 verhindert werden können.

Über die Art und Weise dieser Vitamin-K-Gabe gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten:

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung besteht der tägliche Bedarf an Vitamin K beim Neugeborenen nur 4-10 Mikrogramm.
Die routinemäßig in allen deutschen Geburtskliniken durchgeführte und von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfohlene Prophylaxe besteht allerdings aus 3x2mg Vitamin K; übersteigt also den tatsächlichen Bedarf um ein Vielfaches.
Diese Überdosierung (durchgeführt einmal am ersten Lebenstag bei der U1, später dann bei der U2 und U3 beim Kinderarzt) hilft zu vermeiden, dass es z.B. bei Verdauungsstörungen zu einem Wirkstoffverlust kommt und letztlich zu wenig Vitamin K im Blut landet.
Wesentlich effektiver ist es, das Vitamin direkt in den Muskel des Babys zu spritzen, da ein solcher Wirkstoffverlust dadurch vermieden wird.
Da es allerdings Befürchtungen gibt, dass diese Art der Gabe im Zusammenhang mit kindlichen Leukämie- und anderen Tumorerkrankungen stehen könnte, wird diese Gabe nur in Ausnahmefällen empfohlen.

Unsere Nachbarn in den Niederlanden machen es nochmal ganz anders: dort wird einmalig nach der Geburt 1mg Vitamin K in den Mund gegeben, und danach über einen Zeitraum von 12 Wochen eine reduzierte tägliche Dosis verabreicht. Damit soll eine stossweise Überdosierung vermieden werden und stattdessen eine kontinuierliche Zufuhr stattfinden.
Auch in der anthroposophisch orientierten Medizin findet sich ein ähnliches Modell; nähere Informationen dazu unter

"Leitgedanken zur Vitamin-K-Prophylaxe"

Grundsätzlich prallen bei der Frage nach Sinn und Nutzen dieser Prophylaxe unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander.
Tatsache ist, dass durch die Prophylaxe die Anzahl der Fälle von schweren Blutungen in den ersten 12 Lebenswochen verringert wird.
Es bedeutet aber auch, dass 9.999 Kinder prophylaktisch mit einer Überdosis Vitamin K versorgt werden, und davon keinerlei Nutzen haben. Die langfristigen Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel sind nicht klar; siehe obigen Link.

Auch muss man fragen dürfen, ob denn die Natur wirklich so nachlässig ist, dass sie vergessen hat, der Muttermilch ausreichend Vitamin K beizumischen...
Vielleicht gibt es gute Gründe für diesen niedrigen Vitamin-K-Spiegel im Blut unserer Neugeborenen, die wir bisher nur noch nicht ausreichend verstanden haben?
Sind unsere Kinder wirklich so mangelhaft ausgestattet, dass sie von Anfang an nur mit Hilfe von Medikamenten ein sicheres und gesundes Leben leben können?

Es kann bei der Entscheidung für oder gegen die Prophylaxe auch noch hilfreich sein, sich die Umstände der Geburt genauer anzusehen:
Es gibt Neugeborene, denen ein erhöhtes Blutungsrisiko unterstellt wird; dazu gehören: Frühgeborene, Mangelgeborene (zu klein und zu leicht zum Zeitpunkt der Geburt), Kinder mit angeborenen Grunderkrankungen im Bereich von Leber und Galle, schwere Geburten mit Notkaiserschnitt oder auch Saugglocken- und Zangengeburten.
Hier ist eine Prophylaxe durchaus sinnvoll und richtig, wobei man sich dann noch Gedanken über das Dosierungsschema machen kann.

Zu guter Letzt gibt es auch die Möglichkeit, über eine gesunde und ausgewogene Ernährung (auch schon in der Schwangerschaft!) den Vitamin-K-Gehalt der Muttermilch zu erhöhen. Und die sollte bei stillenden Müttern ohnehin einen hohen Stellenwert haben...

Hier noch die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

                                                                                                                                Iris Eichholz