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Zeitmangel und Wehenschwäche

Die Entwicklung von Wehen erfordert individuell unterschiedlich Zeit

Beim ersten Kind dauert die Entwicklung von Geburtswehen meist einige Stunden länger als bei weiteren Kindern. Der Faktor Zeit spielt bei jeder Geburt eine wichtige Rolle. Um sich entspannen zu können, loszulassen und sich in die Geburtssituation fallen zu lassen, braucht es Ruhe, Gelassenheit und Geduld. Mutter und Kind brauchen Zeit, um alle Geburtshormone zu bilden, die fein aufeinander abgestimmt den Geburtsprozess in Gang setzen und steuern.

In Kliniken kommt es bei Frauen, deren Muttermund sich nicht innerhalb einer bestimmten Zeit geöffnet hat, zu der Diagnose "Wehenschwäche". Im Rahmen  klinischer Routine werden ca. 20 % aller Frauen zur Eile angetrieben. Ihnen wird vermittelt, dass sie nicht in der Lage wären, ausreichend Wehen zu „produzieren“. Der wahre Hintergrund ist aber ein Zeitbemessungssystem, welches sich an Durchschnittswerten orientiert. Wer mehr Zeit braucht, bekommt medikamentösen Anschub.
Die Tendenz in Kliniken, aufgrund von „Wehenschwäche“ Wehenmittel zu verabreichen, steht darum im Widerspruch zu einer naturgemäßen hormonellen Entwicklung, insbesondere bei Erstgebärenden.

Wehenmittel sind immer künstlich hergestellt, auch wenn es heißt, dass sie natürlichen Hormonen entsprechen. Sie verursachen in der Regel stärkere Schmerzen als natürliche Wehen. Ein sogenannter Wehensturm kann die Folge sein. Das kann für die Gebärende sehr unangenehm und anstrengend sein, weil die Wehenpausen verkürzt sind und Ruhepausen für Mutter und Kind fehlen.
Die begleitende Dauerüberwachung der Herztöne des Babys durch ein CTG ist vorgeschrieben. Dadurch wird die werdende Mutter in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Meist führt das zu einer liegenden Geburtsstellung, die nachweislich länger dauert und auch gefährlicher ist, weil die Schwerkraft nicht genutzt werden kann. Häufig werden schmerzlindernde Mittel gegeben. Sie beeinflussen den Geburtsverlauf negativ und können zu Kreislaufproblemen führen. Folglich werden Kreislauf stabilisierende Medikamente nötig mit weiteren nicht absehbaren Konsequenzen.
Das Ende dieser Kette von Eingriffen (Interventionskaskade) in den naturgemäßen Geburtsverlauf ist häufig ein Kaiserschnitt wegen „schlechter Herztöne“ des Kindes.
Aus GreenBirth-Sicht ist das eine Besorgnis erregende Fehlentwicklung, insbesondere wenn ca. 50 % aller CTG-Messungen vor und während der Geburt zu Fehldiagnosen führen. (Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 2014).

Jede Frau hat das Recht, im gemeinsamen Rhythmus mit ihrem Baby zu gebären. Die Zeit, die sie dafür braucht, ist zu respektieren, egal an welchem Ort die Geburt stattfindet. Die Geburt ist beendet, wenn die Nabelschnur nicht mehr pulsiert und die Plazenta geboren ist.

Zeitdruck: Thema beim Infoabend
Sprechen Sie das Thema Zeitdruck beim Klinik-Infotermin an. Fragen Sie nach dem Personalschlüssel und nach der Kaiserschnittrate. Ebenfalls können Sie dafür sorgen, dass die Nabelschnur Ihres Babys auspulsiert, bevor abgenabelt wird. Damit verhindern Sie auch, dass Ihr Baby nach der Geburt sofort weggetragen wird, um es kinderärztlich zu untersuchen. Dieses kann auch eine Stunde später geschehen.