Recht auf Nichtwissen und ungetestete Schwangerschaft

Grundinformation


Das ist gesetzlich verankert und muss ihnen gesagt werden. Es gibt grundsätzlich keine Vorsorgemaßnahme oder Untersuchung, die verpflichtend ist. Sie haben immer die Wahl. Uns erscheint es wichtig klarzustellen, dass zwischen Schwangerenvorsorge und Pränataldiagnostik unterschieden werden muss.

Wenn Sie zur Vorsorge zu einer Hebamme gehen, können Sie sich in Ruhe damit beschäftigen, ob Sie pränataldiagnostische Untersuchungen mit Ultraschall überhaupt in Anspruch nehmen wollen. Dass eine Schwangerschaft vorliegt, kann eine Hebamme ohne Ultraschall bestätigen. Diese Diagnostik zu Beginn einer Schwangerschaft können Sie Ihrem Baby ersparen. Solange es der werdenden Mutter gut geht, kann die Vorsorge bei einer Hebamme ausreichen. Hebammen kennen die Grenzen ihrer Tätigkeit. Wenn es keine Hinweise für Auffälligkeiten gibt, besteht keinerlei Grund zur Sorge oder Anlass für Ultraschalluntersuchungen.

Wenn Sie die Vorsorge bei einem Arzt machen lassen, wird Ihnen gleichzeitig Pränataldiagnostik angeboten. Die Grenze zwischen Vorsorge und Pränataldiagnostik ist in der medizinischen Praxis fließend.

Ultraschalluntersuchungen können immer auch pränataldiagnostisch genutzt werden. Das sollten Sie wissen, um Nein sagen und Ihr Recht auf Nichtwissen geltend machen zu können. Ultraschall sollte nicht routinemäßig, d.h. ohne individuelle Indikation, angewandt werden, weil seine Unschädlichkeit nicht nachgewiesen ist. Im Gegenteil: Thermische und mechanische Wirkungen auf Zellstrukturen sind seit Jahren bekannt.
Ihrem Kind geht es am besten, wenn es in Ruhe wachsen darf. Untersuchungen sind nicht durch Neugierde und Wissenwollen zu rechtfertigen, denn sie bedeuten für Sie als werdende Eltern wie auch für ihr Baby Verunsicherung. Diese belastet und kann sich auf die Bindung zu Ihrem Kind auswirken.
Manche Frauen haben Vertrauen in sich und ihren Körper. Zusätzlich zu wissen, dass eine Hebamme ansprechbar ist, falls Fragen auftauchen, kann sehr beruhigend sein. Sie kann Ihnen mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen zur Seite stehen.
Sollte Ihr körperlicher Zustand oder der Ihres Baby doch wider Erwarten zu Bedenken Anlass geben, wird sie Sie ohne Zögern an einen Arzt überweisen.

Eine Ultraschalluntersuchung kann sinnvoll sein, um die Lage der Plazenta (Gebärmutter) sehen zu können und um herauszufinden, ob eine Zwillingsschwangerschaft vorliegt. Diese Untersuchung wird von Hebammen ab der 20. Schwangerschaftswoche empfohlen. Vor Durchführung dieser Untersuchung müssen Sie gegebenenfalls Ärztin/Arzt davon in Kenntnis setzen, dass Sie Ihr Recht auf Nichtwissen nutzen und keine Pränataldiagnostik wollen. Es ist auch Ihre Entscheidung, ob Sie das Geschlecht Ihres Kindes schon in der Schwangerschaft erfahren wollen.