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Abhören der Herztöne Leitlinie S3

S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin 

Was steht in der S3-Leitlinie?
LL = Aussagen der S3-Leitlinie, Kurzfassung. Wir geben den Inhalt in nichtmedizinischer Sprache wieder. Zitate sind mit „…“ und Seitenangabe markiert.
GreenBirth: Wir erläutern ohne den Anspruch der Vollständigkeit und ohne Gewähr. Alle Hervorhebungen, fett oder kursiv von Greenbirth


       Leitlinie:

  • Klinikaufnahme: Bei der Aufnahme einer Frau ohne erhöhtes Risiko soll nicht „automatisch“ ein CTG gemacht werden.
    Es könne und solle auf ein CTG in der aktiven Eröffnungsphase verzichtet werden (bis der Muttermund 4-6 cm geöffnet ist), vorausgesetzt, die Eins-zu-eins-Begleitung durch eine Hebamme sei sichergestellt. Statt des CTG soll das Pinard-Hörrohr zum Einsatz kommen, das bei regelmäßiger Nutzung mehr Vorteile biete als das CTG. (S. 19)
  • Bei Geburten mit niedrigem Risiko biete ein regelmäßiges Abhören der kindlichen Herztöne alle 15-30 Min. Vorteile gegenüber der CTG-Überwachung.
    Voraussetzungen: Ausreichend Personal: Eins-zu-eins-Betreuung durch ein und dieselbe Hebamme – Erfahrungen beim Personal mit dem Abhören der Herztöne über das Pinard-Hörrohr oder Dopplersonografie.
    Die Dokumentation der Herztöne muss verlässlich und lückenlos erfolgen.
    Der mütterliche Puls sollte ebenfalls regelmäßig festgestellt und dokumentiert werden. ( S. 19)

    GreenBirth:
    Künstlich erzeugte Wehen sorgen dafür, dass sich der Gebärmuttermuskel krampfartig zusammenzieht. Das verträgt nicht jede Frau. Auch ihr ungeborenes Kind reagiert darauf, was am Herzschlag abgelesen werden kann. Das ist der Grund für die Dauer-CTG Überwachung. 

    Die CTG-Überwachung am Monitor in der Stationszentrale, wie in vielen Kliniken üblich, führt häufig dazu, dass immer wieder die Gebärende gestört wird, weil jemand aufgeschreckt in den Raum tritt, um das CTG zu richten. 

    Dass nicht mehr automatisch ein CTG angelegt werden soll, ist ein großer Schritt nach vorn. Die Bedingung aber ist eine Eins-zu-eins-Betreuung durch ein und dieselbe Hebamme. Diese zentrale Forderung unterstützen wir mit Nachdruck, weil sie nachweislich als optimale Geburtsbegleitung gilt.

    Das CTG wird empfohlen, wenn die Wehen durch künstliche Wehenmittel angeregt oder eigene Wehen verstärkt werden sollen. Ab dieser ärztlichen Anordnung wird die Geburt medizinisch überwacht und ist nun in medizinischer Verantwortung.
    Eltern müssen wissen, dass bei mindestens 20 % der Gebärenden Wehenmittel zur Einleitung oder zur Verstärkung vorhandener Wehen verabreicht werden.
    Wehen lassen dann nach, wenn die Umgebung fremd und nicht vertraut ist. Das ist tausendfache Erfahrung.

    Durch Wehenmittel wird der autonome physiologische Geburtsverlauf nachhaltig gestört. Mutter und Kind reagieren auf die Wirkung des Medikaments individuell. Die Wirkung kann durch äußere Einwirkung, z. B. regelmäßige Erhöhung der Dosis intensiver werden.

    Künstlich erzeugte Muskelkontraktionen sind wesentlich schmerzhafter als physiologische Wehen. Diese sind von Pausen durchsetzt, die zu Mutter und Kind passen, um sich zwischenzeitlich erholen zu können.

    Frauen halten künstlich erzeugte Wehen oft nicht aus. Als Gegenmittel werden Schmerzmedikamente angeboten. Die reichen von leichten bis hochpotenten Schmerzmitteln (PDA). Die sind für das Erleben der Kinder keineswegs folgenlos.Es fehlen Angaben bezogen auf die ungeborenen Kinder und ob diese durch die Medikamente ebenfalls Schmerzen haben. Kleine Mädchen haben eine Gebärmutter. Wir kennen keine Untersuchung, welche die Wirkung auf Babys untersucht hätte. Nachgeburtliche Untersuchungen gibt es.
    Der Hersteller von Syntocinon schreibt 2013 auf seinem Beipackzettel, es seien nachgeburtlich Krämpfe bei Babys zu beobachten. Eine Nachfrage beim Hersteller blieb ohne Ergebnis. Es sei nicht untersucht, ob dies bei Jungen oder Mädchen der Fall sei.
    Zur Wirkung von Medikamenten zur Einleitung auf die Kinder nimmt die Leitline (Kurzform) keine Stellung.

    Um gar nicht erst eingeleitet werden zu müssen, empfehlen wir …

    … in der Latenzphase (das ist die erste Phase bis sich der Muttermund 4-6 cm geöffnet hat) und darüber hinaus, alles dafür zu tun, dass Sie sich mit dem Ort, an dem Sie sich befinden, vertraut machen, sich Zeit lassen anzukommen, sich  bewegen, sich den nötigen Raum und die Zeit zu nehmen, die Sie brauchen.
    Versuchen Sie, etwas Vertrautes bei sich zu haben, ein eigenes Kuschelkissen, eine vertraute Begleitperson, die bei ihnen bleibt, mit Ihnen spazieren geht. Damit sich die körpereigenen Wehen (wieder) einstellen, benötigen Sie Ruhe, abgedunkeltes Licht, Schutz, die Zuversicht, dass Sie natürlicherweise gebären können.
    Wenn Sie eine Klinikgeburt wollen, melden Sie sich rechtzeitig dort an, damit Sie in der Geburtssituation nicht noch Formulare ausfüllen müssen. Um alles was fremd und unvertraut ist, zu meiden, sollten Sie die Räumlichkeiten schon etwas kennen, den Parkplatz und den Weg zur Station.

    Abschalten können Sie besser, wenn Sie sich in der neuen Umgebung sicher fühlen. Dafür können Sie im Vorfeld etwas tun. Sich fallen lassen, summen, austönen, wie Sie es vielleicht schon einmal gehört oder geübt haben, geht dann viel leichter. Nehmen Sie Kontakt auf zum Baby, das spürt, wenn Sie ihm gedanklich nahe sind und es innerlich und äußerlich streicheln und ermutigen. Sie beide schaffen die Geburt gemeinsam.

    In Coronazeiten kann es sein, dass Sie längere Zeit ohne die Begleitung Ihres Partners auskommen müssen. Auch dann sind Sie nicht allein. Sie haben immer Ihr Baby bei sich. Und Ihr Baby hat Sie.
    Wenn Sie eine Schwester, Freundin Mutter oder Doula als Begleitung gewählt haben, gilt auch hier: Allein sind sie nicht.

    Allgemeine Informationen zur Leitlinie
    Kurzfassung der Leitlinie

    04/2021