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Bluttest Initiativen machen mobil

Initiativen befürchten mehr gesellschaftliche Kälte

Schon länger gibt es einen Bluttest in der Frühschwangerschaft – angeboten von verschiedenen Firmen –, der das Downsyndrom und andere genetische Abweichungen anzeigen kann. Diese Tests werden als "nicht invasiv" bezeichnet, weil nur das mütterliche Blut getestet wird. Bisher wird der Test nur für Eltern finanziert, die ein besonderes familiäres Risiko tragen. Von allen anderen muss der Test selbst bezahlt werden. Eine Gruppe im G-BA (1) will nun durchsetzen, dass dieser Bluttest (NiPT = Nichtinvasiver Pränatal Test) allen schwangeren Frauen kostenlos angeboten werden soll, und das, obwohl er nicht der Heilung, sondern der Aussortierung dient.

Dagegen gibt es heftigen Widerstand seitens vieler Organisationen. Sie argumentieren, dass der NIPT das gesellschaftliche Klima verändern würde und gegen die Behinderten-Konvention der Vereinten Nationen verstößt. Es sei ein falsches Signal gegenüber allen Menschen mit Beeinträchtigung.  Ohne breite öffentliche Diskussion und Konsens könne kein solch weitreichender Beschluss gefasst werden.
Einer übergreifenden Initiative können sich Privatpersonen und Vereine anschließen. GreenBirth trägt die kritischen Argumente mit. Sie können sich diese Argumente anschauen und das Anliegen der Initiative #NoNIPT persönlich mit tragen.

Ein fatales Signal, meint auch Kathrin Braun. Sie lehrt am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und forscht vor allem zur Biopolitik. "Aussieben von Leben" lautet ihr Artikel in der Süddeutschen Zeitung.  

Siehe auch unseren Beitrag Bluttest (NIPT) – Falsch positive Ergebnisse beunruhigen
Insbesondere gibt es bei jungen Frauen eine hohe Zahl (30-50 %) falsch-positiver Testergebnisse. D. h., obwohl das Kind keine genetische Abweichung hat, zeigt das Testergebnis eine Wahrscheinlichkeit an. Endgültige Sicherheit gibt es dann nur noch durch den risikoreichen Eingriff einer Fruchtwasserpunktion.
Die Folgen für das Kind können gravierend sei: Es kann durch den invasiven Test geschockt werden und es kommt zu einer Fehlgeburt, es verliert durch Spätabbruch sein Leben, es überlebt die stressvolle Zeit zusammen mit seinen gestressten Eltern.
Wir wünschen Eltern alles andere als solch eine Schwangerschaft, die allein durch diese Testmethode des Gesundheitsmarktes verursacht wird und die nichts mit Vorsorge zu tun hat.    

(1) G-BA = Gemeinsamer Bundesausschuss = höchstes Gremium in Deutschland, das beschließen kann, welche medizinischen Leistungen von den Krankenkassen bezahlt werden.

06/2021