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Bluttest bald Kassenleistung?

Wird Bluttest zur Routineuntersuchung?

Ärztegremien und Wirtschaft stellen Zug um Zug die Weichen, um einen genetischen Bluttest als Kassenleistung durchzusetzen.
Ein Bluttest, bleibt wie jede andere Pränataldiagnostik freiwillig, auch wenn ihn die Kasse eines Tages bezahlen sollte. Doch wie werden junge unerfahrene Eltern auf das kostenlose „Angebot“ reagieren? Und wie werden die ungeborenen Kinder darauf reagieren, dass die Eltern erst noch abwarten werden, wie der Bluttest ausfällt? 16-20 Wochen lang Ungewissheit, ob die Eltern Ja zum Leben ihres Kindes sagen? Dass Babys vor der Geburt fühlen, was die Mutter fühlt, ist heute aufgrund neurobiologischer Forschung unbestritten.

Viele Verbände warnen vor dem Druck, der auf werdenden Eltern jetzt schon lastet. Die Sorge, dass sich ein Bluttest-Screening [Reihenuntersuchung] nach und nach etabliert, ist nicht unbegründet. 9 von 10 Eltern, bei denen eine rechnerische Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit Downsyndrom besteht, lassen ihr Kind bereits abtreiben.

„Der genetische Bluttest sucht in der Frühschwangerschaft gezielt danach, ob beim Kind eine Chromosomenbesonderheit wie z. B. eine Trisomie 21 vorliegt oder nicht. Eine solche gezielte Suche nach einer Trisomie 21 dient weder einer besseren Versorgung der Schwangeren noch des ungeborenen Kindes... ist ohne jeden therapeutischen Nutzen, denn das dritte Chromosom 21 kann man nicht wegtherapieren“, schreibt Claudia Heinkes von der PUA-Beratungsstelle Stuttgart.

Die sozialen Auswirkungen werden immens sein. Eine Abwertung der Menschen, die eine angeborene Behinderung haben und ihrer Familien ist fast zwangsläufig, „als sei Behinderung durch gezielte Suche ein einfach zu vermeidendes Übel.“
Die öffentliche Debatte zu diesem allen betreffenden Thema fehlt bisher. Der Deutsche Ethikrat, das Parlament, Eltern werden nicht gefragt.

Eine gezielte Suche nach behinderten Menschen erinnert an die Euthanasie der Nazizeit, in der geistig und körperlich behinderte Menschen systematisch ermordet wurden. Damals war der Staat der Handelnde.

Jetzt wird den Eltern individuell die ungeheure Last der Entscheidung aufgebürdet.
Wie unfair, Eltern damit allein zu lassen, wie rücksichtslos und wie unsozial.