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Elterninititiativen fordern Reform der Klinikgeburt

Für Sie zusammengestellt

Als Eltern haben Sie Rechte, die über ärztlichem Berufsrecht und Hebammen-Berufsrecht stehen (s. Elternrechte und Kinderrechte). Das heißt keinesfalls, dass wir medizinische Eingriffe grundsätzlich ablehnen. Wenn es eine Indikation gibt, wird kein Elternpaar eine Behandlung verneinen. Aus Routine oder zur Beschleunigung der Geburt Medikamente einzusetzen, verstößt jedoch gegen Rechte von Mutter und Kind, selbstbestimmt und unter dem Schutz der Intimsphäre diesen bedeutenden Übergang in das Muttersein und das Auf-die-Welt-Konmmen zu bewältigen.

Einige Aspekte
1. Wann ist die Klinikgeburt erforderlich und sinnvoll?
2. Aktuelle Missstände
3. S3-Leitlinie vom Dezember 2020 - Einzelthemen
4. Beispiele für Routinehandlungen in der Klinik
5. Faktor Zeit
6. Personalmangel und -wechsel und die Folgen
7. Sicht von Therapeuten und Pränatalpsychologen
8. Was Eltern tun können

1. Wann ist die Klinikgeburt erforderlich und sinnvoll?
Bei etwa 10-15 von 100 Geburten wird ärztliche Hilfe gebraucht. Die ärztliche Kunst kann im Krankheitsfall das Leben von Mutter und Kind retten. Das ist anzuerkennen und zu würdigen. Es ist aber nicht gerechtfertigt, dass sehr viele Frauen ab dem Ausstellen des Mutterpasses so behandelt werden, als drohe Gefahr. Das ist kritikwürdig und widerspricht dem, was die WHO sagt, dass es nämlich nicht zu rechtfertigen sei, dass mehr als 10-15 % Kaiserschnitte gemacht werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 85-90 % der Frauen ihr Baby aus eigener Kraft gebären können.

2. Aktuelle Missstände

10-15 % schwangere Frauen, die ärztliche Hilfe brauchen, rechtfertigen nicht, dass tausendfach Routinehandlungen ausgeführt werden, die für Mutter und Kind belastend sind. Kliniken sind Wirtschaftsunternehmen. Geburten ohne Eingriffe sind nicht kostendeckend. Statt rotinemäßige Eingriffe vorzunehmen sollte die physiologische Geburt kostendeckend finanziert werden. Es ist mit nichts zu rechtfertigen, dass Medikamente, Technik und Operationen zum Einsatz kommen, obwohl die schwangeren Frauen gesund sind und eine normale Geburt zu erwarten wäre. Mutter- und Kindergesundheit sind vorrangig. Ein falsches Abrechnungssystem muss geändert werden. Ein erster Schritt wurde gegangen mit der neuen "S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin".

3. S3-Leitlinie (veröffentlicht im Dez. 2020)
Folgende Themen aus der Leitlinie finden sie  im Geburts-ABC unter „L“: Abhören der Herztöne – Abnabeln –  Abhören der HerztöneAbklemmen NabelschnurBeckenendlageBindung nach der GeburtCTG/Telemetrie (drahtlos)DammschnittEins-zu-eins-BetreuungEssen und trinkenFrauzentriertFruchtblase öffnen, nicht routinemäßigGeburt im Stehen, Knien, Hocken...GeburtsorteKaiserschnitt (vaginale Geburt nach)KristellernLatenzphaseMedizinische Angebote als RoutineRizinusöl zur Einleitung (S2k-LL)Schmerzen Vaginale Geburt "am Termin" – Vorzeitiger Blasensprung – WassergeburtZwillinge.

4. Beispiele für Routinehandlungen in der Klinik

Routinehandlungen erfolgen ohne individuelle Diagnose. Sie wurden für kranke Gebärende entwickelt und Schritt für Schritt auf alle gebärenden Frauen angewendet. Z.B. werden Braunülen am Handgelenk angelegt, um im Bedarfsfall Medikamente über einen Tropf einlaufen zu lassen. Dauer-CTGs (Ultraschall-Herztonmessung) werden aus Personalmangel angelegt. Sie messen die Wehen und zugleich den Herzschlag des Kindes. Das führt zu einer Bewegungsbehinderung bei der Mutter. Zur Verfeinerung des CTG, werden in manchen Kliniken zwei spitze Metalldrähte (Kopfschwartenelektrode) in die Kopfhaut des Babys gedreht, noch bevor es geboren wurde, um den Herzschlag noch genauer messen zu können. Dabei werden die Kabel durch die Vagina geführt und am Bein der Gebärenden festgeklebt. Dieses Verfahren wird seit ca. 25 Jahren ungefragt angewandt. Laut neuer Leitlinie soll dieses Verfahren nicht mehr angewandt werden. 
Bei der Mikroblutuntersuchung (MBU) wird dem ungeborenen Kind mehrfach in die Kopfhaut geritzt, um Blut abnehmen zu können. Am Ph-Wert kann das Befinden des Kindes abgelesen werden. Eine Körperverletzung, die mit Personalmangel zu tun hat. Sie wäre nach der Geburt strafbar.
In den meisten Krankenhäusern werden routinemäßig Fruchtblasen der Kinder gesprengt und Dammschnitte durchgeführt, um die Geburt zu beschleunigen.
Aus Zeitgründen, aber auch, um an das begehrte Nabelschnurblut mit seinen Stammzellen zu gelangen, wird oftmals unmittelbar nach der Geburt abgenabelt. Dadurch verliert das Kind bis zu einem Drittel seiner Gesamtblutmenge. Das befindet sich noch in der Nabelschnur und in der Plazenta, wenn es aus dem Körper der Mutter heraus ist. Ein Drittel seines eigenen Blutes fehlt dem neugeborenen Kind zu Beginn seines Lebens außerhalb der Mutter, wenn ihm nicht genug Zeit gegeben wird, seine Vorräte in der Nabelschnur und Plazenta aufzunehmen. Es braucht Zeit, um die Umstellung auf die Lungenatmung in Ruhe zu bewältigen.
Ab sofort entscheidet die Mutter, ob die Nabelschnur auspulsieren soll oder zwischen 1-5 Minuten abgenabelt werden darf S. Leitlinie "Abklemmen der Nabelschnur".

5. Faktor Zeit

Bei 20 % aller Frauen werden künstliche Wehenmittel verabreicht, trotz eigener Wehen. Die Taktung von Eröffnungsphase, Geburt und Plazentarphase (erst wenn die Plazenta geboren ist, ist auch die Geburt physiologisch beendet) wird medikamentös gesteuert, um den klinischen Zeitplan einhalten zu können.
Der Kreißsaal soll ausgelastet sein. Ist er überfüllt, gibt man Frauen einen Wehenhemmer, um die Geburt hinauszuzögern.
Dammschnitte sind ebenso an der Tagesordnung wie die Verabreichung von hochpotenten Schmerz- und Betäubungsmitteln oder Oxytocin nach der Geburt, um die Plazenta-Ablösung zu beschleunigen. Diese Eingriffe werden meist routinemäßig durchgeführt, ohne dass die Frauen im Einzelnen informiert werden. Ca. 93 % der Klinikgeburten werden durch solche Handlungen beeinflusst. Das ergab eine Auswertung 2008 von ca. 1 Mill. Krankenhausdaten in Niedersachsen

6. Personalmangel und -wechsel
Sie müssen in der Klinik mit Personalwechsel und -mangel rechnen, d. h. meist betreut eine Hebamme mehrere Geburten parallel. Daher findet in den großen Kliniken die "Überwachung" der Gebärenden hauptsächlich über einen Monitor statt. Die Messdaten werden ins Hebammen-Dienstzimmer übertragen.  2014 wurde öffentlich bekannt, dass es bei 50 % der CTG-Herzton-Messungen zu falscher Einschätzung der Gefährdungslage des Kindes kommt (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG). Einschätzungen, die zu Handlungen an Mutter und Kind führen, müssen in jedem Fall von Mutter, Kind und Vater verkraftet werden.
In der Regel kommt erst bei Auffälligkeiten auf dem Monitor eine Hebamme zu Ihnen. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie lange Zeiten haben, in denen niemand nach Ihnen schaut. Dann ist es gut, dass Sie begleitet und gut vorbereitet sind.
Aufgrund der zunehmenden Konzentrierung von Krankenhäusern zu Großeinheiten und Schließungen kleiner Häuser, ist mit einer Zunahme dieser Entwicklung zu rechnen. Dem zugrunde liegt das Denken, dass Masse die Kosten senkt und den Erlös steigert entsprechend der Produktivität bei industrieller Fließbandfertigung.

7. Sicht von Therapeuten und Pränatalpsychologen
Fachpersonen verlangen eine Reform der Klinikgeburt. Die Persönlichkeitsrechte der gebärenden Frau und des Babys und naturgemäße Geburtsverläufe müssen grundsätzlich Beachtung finden und respektiert werden. Die individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen von medizinisch manipulierten Geburten sind aus Sicht vieler Pränatalpsychologen, Therapeuten und Mediziner nicht länger zu verantworten.

8. Was Eltern tun können
Eltern können den Geburtsort wählen (zuhause, Geburtshaus, Hebammenpraxis, ambulant mit der eigenen Hebamme oder stationär in der Klinik, Hebammenkreißsaal oder arztgeleiteter Kreißsaal).
Für den Fall, dass eine Klinikgeburt sein soll, vergleichen Sie verschiedene Kliniken. Melden Sie sich rechtzeitig zum Gespräch an. Gehen Sie, wenn Ihnen das Angebot und die Menschen nicht zusagen. Schreiben Sie auf, was Sie fragen wollen. VRANNI hilft, die richtigen Fragen zu stellen. Sagen Sie, was Sie nicht wollen. Manche Kliniken gehen bewusst auf Elternwünsche ein. Sie haben Elternrechte, die gelten für Sie selbst und treuhänderisch für Ihr Kind. Schützen Sie sich und Ihr Kind vor Routine. Es ist für Mutter und Kind nicht egal , wie die Geburt verläuft.

Die Klinik sichert sich ab, indem Eltern für alle Maßnahmen - manchmal pauschal - unterschreiben sollen. Lassen Sie die Klinik aufschreiben, was Sie nicht wollen. Streichen Sie durch, wenn Sie einer Sache nicht zustimmen. Fragen Sie nach Elterngesprächen nach der Geburt. Kliniken sind zunehmend auch an Verbesserungen interessiert. Gespräche bringen mehr als gerichtliche Auseinandersetzungen.

In Anbetracht klinischer Prozeduren und Versäumnissen bis hin zu verbaler und körperlicher Gewalt unter der Geburt (wie Eltern immer wieder beklagen), angesichts hoher Kaiserschnitt- und Dammschnittraten, empfehlen wir, dass Sie sich auch über Möglichkeiten zum Rechtsschutz informieren.

06/2021