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Kinderbetreuung wie am besten?

Kindliche Bedürfnisse mütterliche Bedürfnisse

Es gibt viele Gründe, warum Frauen bald nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten gehen... wollen oder müssen. Einige Mütter brauchen den Beruf für ihr persönliches Wohlbefinden. Andere arbeiten aus finanziellen Gründen, wieder andere vielleicht, weil sie meinen, arbeiten gehen zu müssen oder weil es scheinbar alle so machen. Alleinerziehende tragen möglicherweise die finanzielle Verantwortung für ihr Kind alleine und haben keine Wahl.
Für die Mutter kann das eine schwierige und schmerzliche Situation sein. Möglicherweise widerstrebt es ihr, ihr Kind an eine fremde Person/fremde Personen abzugeben. Wie wird es auf diesen Schritt reagieren – besonders wenn es noch sehr jung ist? Was erlebt es in den Stunden ohne die Mutter, außerhalb der Familie? Es gibt kritische Stimmen, die vor den Langzeitfolgen warnen. Gleichzeitig signalisieren Gesellschaft und Staat Erwartungen an die junge Mutter, für die möglicherweise Überlegungen zur finanziellen Situation der jungen Familie, zu Karriere und Karriereknick nach der Geburt plötzlich gefühlsmäßig an Bedeutung verloren haben. Nichts erscheint ihr in ihrem Leben wichtiger als ihr Kind. Sie muss einen Weg finden, mit dem es ihr und ihrem Kind möglichst gut geht. Bei der Lösung dieses Konflikts können ihr ihre innere Stimme und Ihr Bauchgefühl helfen.
Das sagen auch Nicola Schmidt und Julia Dibbern von "artgerecht" in ihrem Video (3 Min.). Sie raten dazu, das Kind einer Person anzuvertrauen, die es kennt und zu der es eine sichere Bindung hat. Sie ermutigen die Mutter/Eltern, individuelle Betreuungsmodelle zu (er)finden.

Menschen kommen als Frühgeburten auf die Welt. Vergleichen wir sie mit den Jungen von anderen Säugetieren, so stellen wir fest, dass kein Tier über Jahre so stark auf Hilfe angewiesen ist wie Menschenkinder es sind. Aus psychologischer Sicht durchleben sie eine 3jährige Prägungsphase, in der naturgemäß die kontinuierliche Betreuung durch eine feste Bezugsperson, meist die Mutter, zu einer sicheren Bindung führt, die es dem Kind ermöglicht, sich nach und nach aus eigenem Antrieb daraus zu lösen. 

Die besondere Beziehung zwischen Mutter und Kind verlangt Kontinuität, besonders solange das Kind klein ist. Diese sehr wichtige gesellschaftliche Aufgabe wird viel zu wenig anerkannt und gewürdigt. Alles Wesentliche - Selbstwirksamkeit, Sozialverhalten, Sprache - lernen Kinder in den ersten Lebensjahren im Rahmen sicherer familiärer oder zumindest vertrauter Bindungen. Ein verlässlicher und feinfühliger Umgang mit kindlichen Bedürfnisse gibt dem Kind die Sicherheit, die für die Entwicklung von Ichstärke und Selbstbewusstsein förderlich ist.
Die Entscheidung über eine Fremdbetreuung will also gründlich überlegt sein.

Welche Möglichkeiten haben Mütter, ihr Kind unterzubringen?

Tagesmutter
Es gibt sehr engagierteTagesmütter, die eine begrenzte Anzahl von Kindern in ihren privaten Räumlichkeiten betreuen. Um das Kind mit der fremden Situation nicht zu überfordern, ist eine ausreichend lange Eingewöhnungszeit erforderlich. Das heißt, anfangs geht die Mutter zusammen mit dem Kind zur Tagesmutter, um es an die neue Situation zu gewöhnen. Nach und nach wird die Verweildauer für das Kind verlängert und die Anwesenheit der Mutter verkürzt. Das Jugendamt kann Ihnen Tagesmütter nennen. Oder Sie haben Bekannte/FreundInnen, die Ihnen jemanden empfehlen können. Die Qualität der Betreuung kann sehr unterschiedlich sein. Eine pädagogische Qualifikation ist nicht selbstverständlich. Sie sollten sich ausführlich mit der Tagesmutter unterhalten und sich einen persönlichen Eindruck verschaffen, um feststellen zu können, ob Ihr Kind bei ihr gut aufgehoben ist. Zum ersten Treffen nehmen Sie Ihr Kind am besten mit. Es wird Ihnen zeigen, wie es ihm dort geht.

Wichtig ist der Betreuungsschlüssel

Ein kleines Kind an fremde Betreuungspersonen, fremde Gesichter, Hände, Gerüche, Stimmen und Räumlichkeiten zu gewöhnen, braucht Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen. Das gilt ganz besonders für Kaiserschnittkinder. Sie können schnelle Veränderungen noch weniger verkraften als andere Kinder.
Schon 1985 wurde in Berlin ein Forschungsprojekt durchgeführt zur Eingewöhnung von Kindern in die Krippe. Kinder, die nicht genug Zeit zur Eingewöhnung bekamen, fehlten in 7 Monaten durch Krankheit bis zu viermal länger als Kinder, die sich in Ruhe gewöhnen durften. Sie konnten deutlich weniger Gebrauch von den Angeboten in der neuen Umgebung machen, weil sie ängstlicher waren als die Kinder der Vergleichsgruppe.

Entscheidend wichtig ist der Personalschlüssel. Je kleiner die zu betreuenden Kinder sind, desto mehr persönliche Zuwendung brauchen sie. Eine Krippenbetreuung, bei der sich 3 Erwachsene um 15 Kleinkinder kümmern, kann die mütterliche/elterliche Betreuung nicht ersetzen. Personalwechsel, Urlaub und Ausfälle aufgrund von Krankheit müssen in Kauf genommen werden.

Karl-Heinz Brisch, Experte für Bindungsforschung und Bindungssörungen, hinterfragt die Krippenbetreuung. Sind Krippen ein Risiko?