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Fremdbetreuung –Tagesmutter, Krippe oder ...?

Eingewöhnungszeiten einplanen

Unterbringung bei einer Tagesmutter
Tagesmütter können sehr engagierte und liebevolle Frauen sein, die Kinderbetreuung in ihren privaten Räumlichkeiten anbieten. Sie betreuen eine begrenzte Anzahl von Kindern. Mutter und Kind gehen anfangs gemeinsam dorthin, um das Kind an die neue Situation zu gewöhnen. Schrittweise werden die Zeiten für das Kind verlängert und die Anwesenheit der Mutter verkürzt. Adressen bekommen Sie vom Jugendamt. Die Qualität der Betreuung kann sehr unterschiedlich sein. Eine pädagogische Qualifikation ist nicht selbstverständlich. Sie sollten sich ausführlich mit der Tagesmutter unterhalten und sich einen persönlichen Eindruck verschaffen, ob Sie sich vorstellen können, Ihr Kind von dieser Frau betreuen zu lassen. Zum Kennenlernen nehmen Sie am besten Ihr Kind mit. Es wird Ihnen zeigen, ob es sich dort wohlfühlen und sich von Ihnen lösen kann.

Krippenbetreuung – wichtig ist der Betreuungsschlüssel

Kleine Kinder können sich an fremde Betreuungspersonen gewöhnen. Das braucht Einfühlungsvermögen, Zeit und Geduld. Das gilt insbesondere für Kaiserschnittkinder. Für sie kann es besonders schwer sein, schnelle Veränderungen zu verkraften. Jedes Kind braucht seine Zeit, sich an neue Gesichter, Hände, Gerüche, Stimmen und Räumlichkeiten zu gewöhnen, bevor es dort bleiben mag. Schon 1985 wurde in Berlin ein Forschungsprojekt durchgeführt zur Eingewöhnung von Kindern in die Krippe. Kinder, die nicht genug Zeit zur Eingewöhnung bekamen, fehlten in 7 Monaten durch Krankheit bis zu viermal länger als Kinder, die sich in Ruhe gewöhnen durften. Sie konnten deutlich weniger Gebrauch von den Angeboten in der neuen Umgebung machen, weil sie ängstlicher waren als die Kinder der Vergleichsgruppe.

Entscheidend wichtig ist der Personalschlüssel. Je kleiner die zu betreuenden Kinder sind, desto mehr persönliche Zuwendung brauchen sie. Wie oben erwähnt, ist eine allmähliche und sanfte Eingewöhnung sowie die Dauer der Betreuung pro Tag von Bedeutung. Eine Krippenbetreuung, bei der sich 3 Erwachsene um 15 Kleinkinder kümmern, kann die mütterliche/elterliche Betreuung nicht ersetzen. Personalwechsel, Urlaub und Ausfälle aufgrund von Krankheit müssen in Kauf genommen werden. Die Entscheidung über eine Fremdbetreuung will gründlich überlegt sein.

Literatur: Hans-Joachim Laewen; Beate Andres; Éva Hédervári: Ohne Eltern geht es nicht. Berlin 2006 – Anfragen auch an: INFANS-Institut für angewandte Sozialisationsforschung/ frühe Kindheit e.V. Berlin

Kindliche Bedürfnisse mütterliche Bedürfnisse
Es gibt viele Gründe, warum Frauen bald nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten gehen. Einige wollen das und brauchen das für ihr Wohlbefinden - auch als Mutter. Andere machen es vielleicht, weil sie meinen, arbeiten gehen zu müssen. Scheinbar machen alle es so. Alleinerziehende tragen vielleicht auch die finanzielle Versorung alleine. In jedem Falle kann es für die Mutter schmerzlich und schwierig sein, ihr Kind an eine fremde Person/fremde Personen abzugeben. Wie wird es, besonders wenn es noch sehr jung ist, auf diesen Schritt reagieren? Was erlebt es in den Stunden außerhalb der Familie? Es gibt kritische Stimmen, die vor den Langzeitfolgen warnen. Gleichzeitig signalisieren Gesellschaft und Staat Erwartungen an die junge Mutter. So ist sie gefragt, einen Weg für sich und ihr Kind zu finden, mit dem es ihr und ihrem Kind so gut wie möglich geht. Achten Sie auf ihre innere Stimme und Ihr Bauchgefühl. Das kann Ihnen helfen, Prioritäten zu setzen.

Menschenkinder sind Frühgeburten. Vergleichen wir sie mit den Jungen von anderen Säugetieren, so stellen wir fest, dass kein Tier in den ersten Lebensjahren so stark auf Hilfe angewiesen ist wie Babys es sind. Aus psychologischer Sicht durchleben Kinder eine 3jährige Prägungsphase, in der naturgemäß die kontinuierliche Betreuung durch die Mutter zu einer sicheren Bindung führt, die es dem Kind ermöglicht, sich nach und nach aus eigenem Antrieb von der Mutter zu lösen. Sogenannte Bildungsvorteile durch Aufenthalt in einer Krippe sind wissenschaftlich nicht zu belegen.

Kinder in den ersten Lebensjahren lernen alles Wesentliche - Sozialverhalten, Sprache, Selbsterleben, Selbstwirksamkeit - im Rahmen sicherer familiärer Bindungen. Verlässlichkeit und die Möglichkeit, auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen, geben dem Kind Sicherheit, die eine Basis für die Entwicklung von Ichstärke und Selbstvertrauen schafft. Jean Liedloff beschäftigt sich in ihrem Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" damit. 

Zur Natur von Frauen gehört es, dass sie neues Leben hervorbringen können. Die besondere Beziehung zwischen Mutter und Kind verlangt es, dass sie für ihr Kind da ist, solange es klein ist. Das ist eine sehr wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die viel zu wenig Anerkennung und Würdigung erfährt. Stattdessen werden wirtschaftliche Interessen, Karriere und Karriereknick in den Vordergrund gestellt. Vorstellungen, die sich bei vielen Frauen in dem Moment verändern, wo ihr Kind geboren ist. Plötzlich greifen archaische Muster und sie nehmen ihr Kind als das Wichtigste in ihrem Leben wahr. Es ist auch nach einer Familienpause noch möglich, wieder ins Berufsleben einzusteigen und erfolgreich zu sein.
Lesenswert: Interview mit dem bekannten Forscher Karl-Heinz Brisch: Sind Krippen ein Risiko?