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Geburt im Krankenhaus

Reformen überfällig

97 % aller Frauen gehen in die Klinik. So entsteht der Eindruck von Normalität. Das Krankenhaus sei der beste und sicherste Ort, um ein Kind zu bekommen, denken viele Eltern vor der Geburt. Doch dieser Eindruck trügt.

Über 30 % Kaiserschnitte, bei 93 % der Geburten medikamentöse und operative Eingriffe führen dazu, dass immer mehr werdende Eltern die Qualität von Klinikgeburten hinterfragen. 

Zurzeit finden viele Veränderungen statt, darum sind Eltern gut beraten, wenn sie sich bezüglich des Geburtsortes für ihr Kind umschauen. Einige Beispiele: 

  • Es gibt einige Kliniken, die sich das Erfahrungswissen rund um die Beckenendlage neu erarbeiten.
  • Einige Kliniken setzen auf naturgemäße Abläufe und versuchen, den Wünschen von Eltern weitgehend entgegenzukommen. Messlatte ist z. B. die Anzahl von Kaiserschnitten. Diese schwankt bundesweit zwischen  10 und 48 %
  • Universitätskliniken haben die höchsten Kaiserschnittraten (dies wird der Ausbildungssituation von FachärztInnen zugeschrieben, aber auch dem erhöhten Anteil von Risikogeburten)
  • Geburtshilfliche Abteilungen schließen, wenn es nicht gelingt, der naturgemäßen Geburt Vorrang zu geben. Die Folge davon ist nämlich, dass Geburten länger dauern, sobald auf Wehenmittel zur Geburtsbeschleunigung verzichtet wird. Damit verlängert sich die Aufenthaltszeit für eine gebärende Frau und es verringern sich die Einnahmen bezüglich medizinischer Eingriffe. Dass eine physiologische Geburt länger, aber dafür schonender für Mutter und Kind sein kann, sollten werdende Eltern bedenken.
  • Die Folge von schließenden oder zeitweise geschlossenen geburtshilflichen Abteilungen ist, dass schwangere Frauen an Kliniktüren abgewiesen werden. Die verbliebenen Kliniken müssen immer mehr Geburten begleiten. Von flexibler Reaktion mit mehr Personal wird kaum berichtet.
  • Hebammen und Ärztinnen kündigen unter solchen Arbeitsbedingungen ihren Arbeitsplatz. In Germersheim verließ ein ganzes Team zum Jahresende die Klinik.
  • Inzwischen gehen mehr und mehr Eltern auf die Suche nach Hebammen, die sie nicht nur während der Schwangerwchaft begleiten ud beraten, sondern, die sie während der Geburt begleiten. Es gibt Hebammen, die mit Kliniken Verträge schließen und ambulant in der Klinik "ihre" Frauen begleiten.
  • Mehr und mehr Hebammen organisieren sich außerklinisch in Teams oder setzen sich für hebammengeleitete Kreißsäle ein. Es entstehen neue Geburtshäuser. Die außerklinische Geburtshilfe erlebt eine Nachfrage, wie sie seit Jahrzehnten unbekannt war.
  • Eine beachtliche Zahl von Geburtsvorbereiterinnen bereitet Eltern auf eine selbstbestimmte Geburt vor. Die Vorbereitung geht weit über die Erläuterung der Physiologie hinaus (Z.B. Bindungsanalyse, Geburtsvorbereitung mit Achtsamkeit, GfG-Geburtsvorbereitung®, Haptonomie, Hypnobirthing).
  • Eine neue, selbstbewusste Frauengeneration spricht offen über die Zustände, die sie in Kliniken erlebten. Eine große Zahl von Initiativen bildet inzwischen ein bundesweites Netzwerk (www.netzwerk-geburtskultur.de).   

Wir - GreenBirth  - gehören dazu. Seit 10 Jahren beobachten wir diese Dynamiken.
Wir möchten Sie im Blick auf Klinikgeburten informieren, damit Sie eine Ahnung davon bekommen, wie Sie sich gut informieren, vorbereiten und dann entscheiden können.

Eine Geburtshilfe in der Klinik ist abhängig davon, ob Sie in Ihrer Situation mit dem vorhandenen Personal klar kommen, wie viele Geburten bei welchem Personalschlüssel genau dann stattfinden, wenn auch Ihr Kind geboren werden will.  Je besser Sie als Mutter und werdender Vater über die geburtlichen Phasen Bescheid wissen, desto gelassener können Sie auf Schmerz-, Wehenmittel und sonstige Angebote reagieren und ihre Wünsche vertreten. Kaiserschnittzahlen sind ein gewisser Gradmesser, um festzustellen, wie medizinisch eine Klinik ausgerichtet ist.

Unverzichtbar ist eine sorgfältige, gute Geburtsvorbereitung durch überwiegende Hebammenvorsorge. Überlegen Sie sich, welche Art von Vorsorge Sie für sich brauchen. Die Klinikgeburt ist der letzte Abschnitt nach einer stärkenden oder verunsichernden Schwangerschaftsvorsorge.
Als Faustregel gilt, dass Hebammenvorsorge das Gesunde, das Naturgemäße und Physiologische betont und bei Untersuchungen berücksichtigt. Bei einer Hebamme können Sie sicher sein, dass diese Sie bei abweichenden Verläufen selbstverständlich an einen Arzt überweist. Es gehört zu ihrer Ausbildung, dass sie das erkennen kann. In den Niederlanden ist das übrigens der normale Weg, den schwangere Frauen gehen.
Ärztliche Vorsorge allein führt häufig zu Besorgnissen, zusätzlichen Untersuchungen, Testungen und Ultraschall, was selbst bezahlt werden muss (s. IGe-Leistungen). Das führt zwangsläufig zu Sorgen und Ängsten. Wenn sie Tests abwehren, bleibt häufig trotzdem Verunsicherung: "Und wenn jetzt doch irgend etwas nicht in Ordnung ist?"  
Die Art und Weise Ihrer Vorsorge, die grundsätzlich freiwillig ist, wirkt sich auf Ihre Haltung zur Geburt selbst aus.

Elterninititiativen fordern eine Reform der Klinikgeburt
Eltern sollten immer auch im Namen des Kindes überlegen, was Sie unterschreiben und was nicht. Das gilt für Medikamente wie Wehenmittel,  Schmerzmittel und operative Eingriffe. Denn alle Eingriffe bei der Mutter wirken sich auch auf das Erleben des Kindes mit aus.  Als Eltern haben Sie Rechte, die über ärztlichem Berufsrecht stehen (s. Elternrechte und Kinderrechte). Das heißt keinesfalls, dass wir medizinische Eingriffe grundsätzlich ablehnen. Wenn es eine Indikation gibt, wird kein Elternpaar eine Behandlung verneinen. Aus Routine oder zur Beschleunigung der Geburt Medikamente einzusetzen, verstößt jedoch gegen Rechte von Mutter und Kind, selbstbestimmt und unter dem Schutz der Intimsphäre diesen bedeutenden Übergang in das Muttersein und das Auf-die-Welt-Konmmen zu bewältigen.

Wir haben hier komprimiert für Sie zusammengestellt:
1. Wann ist die Klinikgeburt erforderlich und sinnvoll?
2. Aktuelle Missstände
3. Beispiele für Routinehandlungen in der Klinik
4. Faktor Zeit
5. Personalmangel und -wechsel und die Folgen
6. Sicht von Therapeuten und Pränatalpsychologen
7. Was Eltern tun können

1. Wann ist die Klinikgeburt erforderlich und sinnvoll?
Bei etwa 10-15 von 100 Geburten wird ärztliche Hilfe gebraucht. Die ärztliche Kunst kann im Krankheitsfall das Leben von Mutter und Kind retten. Das ist anzuerkennen und zu würdigen. Es ist aber nicht gerechtfertigt, dass sehr viele Frauen ab dem Ausstellen des Mutterpasses so behandelt werden, als drohe Gefahr. Das ist kritikwürdig und widerspricht dem, was die WHO sagt, dass es nämlich nicht zu rechtfertigen sei, dass mehr als 10-15 % Kaiserschnitte gemacht werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 85-90 % der Frauen ihr Baby aus eigener Kraft gebären können.

2. Aktuelle Missstände

10-15 % schwangere Frauen, die ärztliche Hilfe brauchen, rechtfertigen nicht, dass tausendfach Routinehandlungen ausgeführt werden, die für Mutter und Kind belastend sind. Kliniken sind Wirtschaftsunternehmen. Geburten ohne Eingriffe sind nicht kostendeckend. Statt rotinemäßige Eingriffe vorzunehmen sollte die physiologische Geburt kostendeckend finanziert werden. Es ist mit nichts zu rechtfertigen, dass Medikamente, Technik und Operationen zum Einsatz kommen, obwohl die schwangeren Frauen gesund sind und eine normale Geburt zu erwarten wäre. Mutter- und Kindergesundheit ist vorrangig. Ein falsches Abrechnungssystem muss geändert werden.

3. Beispiele für Routinehandlungen in der Klinik

Routinehandlungen erfolgen ohne individuelle Diagnose. Sie wurden für kranke Gebärende entwickelt und Schritt für Schritt auf alle gebärenden Frauen angewendet. Z.B. werden Braunülen am Handgelenk angelegt, um im Bedarfsfall Medikamente über einen Tropf einlaufen zu lassen. Dauer-CTGs (Herzton-Ultraschall) werden aus Personalmangel angelegt. Sie messen die Wehen und zugleich den Herzschlag des Kindes. Das führt zu einer Bewegungsbehinderung bei der Mutter. Zur Verfeinerung des CTG, werden in manchen Kliniken zwei spitze Metalldrähte (Kopfschwartenelektrode) in die Kopfhaut des Babys gedreht, noch bevor es geboren wurde, um den Herzschlag noch genauer messen zu können. Dabei werden die Kabel durch die Vagina geführt und am Bein der Gebärenden festgeklebt. Dieses Verfahren wird seit ca. 25 Jahren ungefragt angewandt, zurzeit mit abnehmender Tendenz.
Bei der Mikroblutuntersuchung (MBU) wird dem ungeborenen Kind mehrfach in die Kopfhaut geritzt, um Blut abnehmen zu können. Am Ph-Wert kann das Befinden des Kindes abgelesen werden. Eine Körperverletzung, die mit Personalmangel zu tun hat. Sie wäre nach der Geburt strafbar.
In den meisten Krankenhäusern werden routinemäßig Fruchtblasen der Kinder gesprengt und Dammschnitte durchgeführt, um die Geburt zu beschleunigen.
Aus Zeitgründen, aber auch, um an das begehrte Nabelschnurblut mit seinen Stammzellen zu gelangen, wird oftmals unmittelbar nach der Geburt abgenabelt. Dadurch verliert das Kind bis zu einem Drittel seiner Gesamtblutmenge. Das befindet sich noch in der Nabelschnur und in der Plazenta, wenn es aus dem Körper der Mutter heraus ist. Ein Drittel seines eigenen Blutes fehlt dem neugeborenen Kind zu Beginn seines Lebens außerhalb der Mutter, wenn ihm nicht genug Zeit gegeben wird, seine Vorräte in der Nabelschnur und Plazenta aufzunehmen. Es braucht Zeit, um die Umstellung auf die Lungenatmung in Ruhe zu bewältigen.
Physiologische Prozesse brauchen Zeit, um sich entwickeln zu können. Im Krankenhaus wurde aus Zeitgründen die Länge der Geburtsphasen normiert.

4. Faktor Zeit

Bei 20 % aller Frauen werden künstliche Wehenmittel verabreicht, trotz eigener Wehen. Die Taktung von Eröffnungsphase, Geburt und Plazentarphase (erst wenn die Plazenta geboren ist, ist auch die Geburt physiologisch beendet) wird medikamentös gesteuert, um den klinischen Zeitplan einhalten zu können.
Der Kreißsaal soll ausgelastet sein. Ist er überfüllt, gibt man Frauen einen Wehenhemmer, um die Geburt hinauszuzögern.
Dammschnitte sind ebenso an der Tagesordnung wie die Verabreichung von hochpotenten Schmerz- und Betäubungsmitteln oder Oxytocin nach der Geburt, um die Plazenta-Ablösung zu beschleunigen. Diese Eingriffe werden meist routinemäßig durchgeführt, ohne dass die Frauen im Einzelnen informiert werden. Ca. 93 % der Klinikgeburten werden durch solche Handlungen beeinflusst. Das ergab eine Auswertung 2008 von ca. 1 Mill. Krankenhausdaten in Niedersachsen

5. Personalmangel und -wechsel
Sie müssen in der Klinik mit Personalwechsel und -mangel rechnen, d. h. meist betreut eine Hebamme mehrere Geburten parallel. Daher findet in den großen Kliniken die "Überwachung" der Gebärenden hauptsächlich über einen Monitor statt. Die Messdaten werden ins Hebammen-Dienstzimmer übertragen.  2014 wurde öffentlich, dass es bei 50 % der CTG-Messungen zu falscher Einschätzung der Gefährdungslage des Kindes kommt (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe DGGG). Einschätzungen, die zu Handlungen an Mutter und Kind führen, müssen in jedem Fall von Mutter, Kind und Vater verkraftet werden.
In der Regel kommt erst bei Auffälligkeiten auf dem Monitor eine Hebamme zu Ihnen. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie lange Zeiten haben, in denen niemand nach Ihnen schaut. Dann ist es gut, dass Sie begleitet und gut vorbereitet sind.
Aufgrund der zunehmenden Konzentrierung von Krankenhäusern zu Großeinheiten und Schließungen kleiner Häuser, ist mit einer Zunahme dieser Entwicklung zu rechnen. Dem zugrunde liegt das Denken, dass Masse die Kosten senkt und den Erlös steigert entsprechend der Produktivität bei industrieller Fließbandfertigung.

6. Sicht von Therapeuten und Pränatalpsychologen
Fachpersonen verlangen eine Reform der Klinikgeburt. Die Persönlichkeitsrechte der gebärenden Frau und des Babys und naturgemäße Geburtsverläufe müssen grundsätzlich Beachtung finden und respektiert werden. Die individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen von medizinisch manipulierten Geburten sind aus Sicht vieler Pränatalpsychologen, Therapeuten und Mediziner nicht länger zu verantworten.

7. Was Eltern tun können
Eltern können den Geburtsort wählen (zuhause, Geburtshaus, Hebammenpraxis, ambulant mit der eigenen Hebamme oder stationär in der Klinik, Hebammenkreißsaal oder arztgeleiteter Kreißsaal).
Für den Fall, dass eine Klinikgeburt sein soll, vergleichen Sie verschiedene Kliniken. Melden Sie sich rechtzeitig zum Gespräch an. Gehen Sie, wenn Ihnen das Angebot und die Menschen nicht zusagen. Schreiben Sie auf, was Sie fragen wollen. VRANNI hilft, die richtigen Fragen zu stellen. Sagen Sie, was Sie nicht wollen. Manche Kliniken gehen bewusst auf Elternwünsche ein. Sie haben Elternrechte, die gelten für Sie selbst und treuhänderisch für Ihr Kind. Schützen Sie sich und Ihr Kind vor Routine. Es ist für Mutter und Kind nicht egal , wie die Geburt verläuft.

Die Klinik sichert sich ab, indem Eltern für alle Maßnahmen - manchmal pauschal - unterschreiben sollen. Lassen Sie die Klinik aufschreiben, was Sie nicht wollen. Streichen Sie durch, wenn Sie einer Sache nicht zustimmen. Fragen Sie nach Elterngesprächen nach der Geburt. Kliniken sind zunehmend auch an Verbesserungen interessiert. Gespräche bringen mehr als gerichtliche Auseinandersetzungen.

In Anbetracht klinischer Prozeduren und Versäumnissen bis hin zu verbaler und körperlicher Gewalt unter der Geburt (wie Eltern immer wieder beklagen), angesichts hoher Kaiserschnitt- und Dammschnittraten, empfehlen wir, dass Sie sich auch über Möglichkeiten von Rechtsschutz informieren.