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Geburt im Krankenhaus

Reformen überfällig

97 % aller Frauen gehen in die Klinik. So entsteht der Eindruck von Normalität. Das Krankenhaus sei der beste und sicherste Ort, um ein Kind zu bekommen, denken viele Eltern vor der Geburt. Doch dieser Eindruck trügt.

Über 30 % Kaiserschnitte, bei 93 % der Geburten medikamentöse und operative Eingriffe führen dazu, dass immer mehr Eltern die Qualität von Klinikgeburten hinterfragen. 

Zurzeit finden viele Veränderungen statt, darum sind Eltern gut beraten, wenn sie sich bezüglich des Geburtsortes für ihr Kind umschauen.

Die deutlichste Veränderung in Kliniken dürfte von einer neuen "S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin" (Dezember 2020) ausgehen. Vorsussetzung ist allerdings, dass diese Empfehlungen auch umgesetzt werden. 

Hier geben wir Ihnen einen Überblick zu wichtigen Themen: Leitlinie S3 – Allgemeine Informationen

Abhören der HerztöneAbklemmen NabelschnurBeckenendlageBindung nach der GeburtCTG/Telemetrie (drahtlos)DammschnittEins-zu-eins-BetreuungEssen und trinkenFrauzentriertFruchtblase öffnen, nicht routinemäßigGeburt im Stehen, Knien, Hocken...GeburtsorteKaiserschnitt (vaginale Geburt nach)KristellernLatenzphaseMedizinische Angebote als RoutineRizinusöl zur Einleitung (S2k-LL)Schmerzen Vaginale Geburt "am Termin" – Vorzeitiger Blasensprung – WassergeburtZwillinge.

Wir raten Ihnen, sich durch diese in aller Kürze zusammengefassten Beiträge durchzuarbeiten. Bei etlichen Themen hat die Mutter ein Mitspracherecht, was vorher so nicht gegeben war. Und fragen Sie in der Klinik nach, ob nach der neue Leitlinie gearbeitet wird. Ohne die deutliche Nachfrage von Eltern wird sich vieles nicht verändern. Bedenken Sie, dass Hebammen und Ärztinnen vor 5,10 oder 20 Jahren ausgebildet wurden und nun teilweise umdenken müssen. Zeigen Sie, dass Sie Bescheid wissen und ihre Rechte kennen.

Weitere Hinweise:

  • Einige Kliniken setzen auf naturgemäße Abläufe und versuchen, den Wünschen von Eltern weitgehend entgegenzukommen. Messlatte ist z. B. die Anzahl von Kaiserschnitten. Diese schwankt bundesweit zwischen 10 und 48 %.
  • Universitätskliniken haben die höchsten Kaiserschnittraten (dies wird der Ausbildungssituation von FachärztInnen zugeschrieben, aber auch dem erhöhten Anteil von Risikogeburten)
  • Geburtshilfliche Abteilungen schließen, wenn es nicht gelingt, der naturgemäßen Geburt Vorrang zu geben. Die Folge davon ist nämlich, dass Geburten länger dauern, sobald auf Wehenmittel zur Geburtsbeschleunigung verzichtet wird. Damit verlängert sich die Aufenthaltszeit für eine gebärende Frau und es verringern sich die Einnahmen der Klinik bezüglich medizinischer Eingriffe. Dass eine physiologische Geburt länger, aber dafür schonender für Mutter und Kind sein kann, sollten werdende Eltern bedenken.
  • Die Folge von schließenden oder zeitweise geschlossenen geburtshilflichen Abteilungen ist, dass schwangere Frauen an Kliniktüren abgewiesen werden. Die verbliebenen Kliniken müssen immer mehr Geburten begleiten. Von flexibler Reaktion mit mehr Personal wird kaum berichtet.
  • Hebammen und Ärztinnen kündigen unter solchen Arbeitsbedingungen ihren Arbeitsplatz.
  • Inzwischen gehen mehr und mehr Eltern auf die Suche nach Hebammen, die sie nicht nur während der Schwangerschaft begleiten und beraten, sondern auch während der Geburt. Es gibt Hebammen, die mit Kliniken Verträge schließen und ambulant in der Klinik "ihre" Frauen begleiten.
  • Mehr und mehr Hebammen organisieren sich außerklinisch in Teams oder setzen sich für hebammengeleitete Kreißsäle ein. Es entstehen neue Geburtshäuser. Die außerklinische Geburtshilfe erlebt eine Nachfrage, wie sie seit Jahrzehnten unbekannt war.
  • Eine beachtliche Zahl von Geburtsvorbereiterinnen bereitet Eltern auf eine selbstbestimmte Geburt vor. Die Vorbereitung geht weit über die Erläuterung der Physiologie hinaus (Z.B. Bindungsanalyse, Geburtsvorbereitung mit Achtsamkeit, GfG-Geburtsvorbereitung®, Haptonomie, Hypnobirthing).
  • Eine neue, selbstbewusste Frauengeneration spricht offen über die Zustände, die sie in Kliniken erlebten. Eine große Zahl von Initiativen bildet inzwischen ein bundesweites Netzwerk (www.netzwerk-geburtskultur.de). Wir - GreenBirth - gehören dazu. Seit 2009 beobachten wir diese Dynamiken.

Eine Geburtshilfe in der Klinik ist abhängig davon, ob Sie in Ihrer Situation mit dem vorhandenen Personal klar kommen, wie viele Geburten bei welchem Personalschlüssel genau dann stattfinden, wenn auch Ihr Kind geboren werden will. Je besser Sie als Mutter und werdender Vater über die geburtlichen Phasen Bescheid wissen, desto gelassener können Sie auf Schmerz-, Wehenmittel und sonstige Angebote reagieren und ihre Wünsche vertreten. Kaiserschnittzahlen sind ein gewisser Gradmesser, um festzustellen, wie medizinisch eine Klinik ausgerichtet ist.

Unverzichtbar ist eine sorgfältige, gute Geburtsvorbereitung durch überwiegende Hebammenvorsorge. Überlegen Sie sich, welche Art von Vorsorge Sie für sich brauchen. Die Klinikgeburt ist der letzte Abschnitt nach einer stärkenden oder verunsichernden Schwangerschaftsvorsorge.
Als Faustregel gilt, dass Hebammenvorsorge das Gesunde, das Naturgemäße und Physiologische betont und bei Untersuchungen berücksichtigt. Bei einer Hebamme können Sie sicher sein, dass diese Sie bei abweichenden Verläufen selbstverständlich an einen Arzt überweist. Es gehört zu ihrer Ausbildung, dass sie das erkennen kann. In den Niederlanden ist das übrigens der normale Weg, den schwangere Frauen gehen.
Ärztliche Vorsorge allein führt häufig zu Besorgnissen, zusätzlichen Untersuchungen und Testungen, was selbst bezahlt werden muss (s. IGe-Leistungen).
Die Art und Weise Ihrer Vorsorge, die grundsätzlich freiwillig ist, wirkt sich auf Ihre Haltung zur Geburt selbst aus.

Wir empfehlen Ihnen die kleine Schrift "MutterBabys Weg durch Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit", die von Elternitiativen zusammengestellt wurde, auch zu bestellen zum Selbstkostenpreis von 1€. (versand(at)greenbirth.de)

06/2021