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Hebammen Berufskompetenzen: Europarecht halbherzig umgesetzt

Deutsche Vereinbarung verstößt gegen Europäisches Berufsrecht

Europäisches Recht schützt den Hebammenberuf in seiner Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.

"Nach Artikel 42 der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen haben die Mitgliedsstaaten dafür zu sorgen, dass Hebammen u. a. folgende Tätigkeiten gestattet werden: Die Betreuung einer physiologisch verlaufenden Schwangerschaft, einer physiologisch verlaufenden Geburt sowie eines physiologisch verlaufenden Wochenbettes einschließlich der Durchführung der zur Feststellung eines physiologischen Verlaufs zugehörigen Untersuchungen.
Darüber hinaus gehört die 'Erkennung der Anzeichen von Anomalien bei der Mutter oder beim Kind, die das Eingreifen eines Arztes erforderlich machen' zu den Tätigkeiten der Hebammen." (Unterstreichung Greenbirth)

Hebammenverbände machen Zugeständnis gegenüber Krankenkassen entgegen europäischem Berufsrecht
Eine deutsche Vereinbarung von 2020 untergräbt Hebammenkompetenzen, indem sie den letzten Satz des Europarechts ignoriert: "Darüber hinaus gehört die 'Erkennung der Anzeichen von Anomalien bei der Mutter oder beim Kind, die das Eingreifen eines Arztes erforderlich machen' zu den Tätigkeiten der Hebammen."

In der Vereinbarung "Kriterien zu Geburten im häuslichen Umfeld zur Anlage 3 Qualitätsvereinbarung zum Vertrag nach § 134a SGB V" wurde beschlossen, dass am Datum der 41. Woche +/- 2 Tage, die Frau eine FachärztIn aufsuchen muss. Wenn eine außerklinische Geburt geplant ist, wird die Vorstellung bei einer GynäkologIn von der hochschwangeren Frau verlangt. Die Hebamme muss die Frau zur ÄrztIn schicken, sonst darf sie die Geburt nicht mit der Krankenkasse abrechnen. Für privat versicherte Frauen gilt dies nicht! 

Auf Kosten von Elternrechten, für die eigene Gesundheit selbst verantwortlich zu sein und auf Kosten des Hebammenberufsrechts wurde dieses  Zugeständnis der Hebammenverbände und einer Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaften (DGHWi) an die Krankenkassen gemacht.
Zusätzlich liegt der Regelung immer noch die überholte Idee eines fixen Entbindungstermins zugrunde. Nach wissenschaftlicher Datenlage weicht die individuelle Reifezeit von Kindern nämlich um bis zu 35 Tage voneinander ab. Der sog. ET ist also ein Mittelwert, der sich aber nun bei gesetzlich versicherten Frauen (die Bestimmung gilt nur für diese!) so auswirkt, dass sie sich in diesem rechnerisch ermittelten Zeitraum (41. Woche +/- 2 Tage) einer Ärztln vorstellen müssen.

2021/4