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Hebammenvorsorge

Aufgaben und Verantwortung

Schwangerschaftsvorsorge kann durch eine Hebamme oder durch eine ÄrztIn erfolgen. Die Krankenkassen übernehmen für beide die Kosten. Rein rechtlich betrachtet, können schwangere Frauen beide Angebote parallel oder im Wechsel in Anspruch nehmen. Beide Berufsgruppen sind gleichermaßen berechtigt, bei gesunden schwangeren Frauen die Vorsorge durchzuführen. Das gilt auch für die Einrichtung des Mutterpasses und die Bestimmung des Geburtszeitraums mit dem errechneten Mittelwert (ET).

Schwangerschaftsvorsorge bei Hebamme und Arzt unterscheiden sich: Die Hebamme bietet keine Pränataldiagnostik an. D.h. Ultraschalluntersuchungen und alle möglichen Tests, die der Suche nach "Fehlern" dienen, ist ausschließlich Sache von Ärzten. Suchen Sie sich so früh wie möglich "Ihre" Hebamme, wenn für Sie Pränataldiagnostik nicht oder nur in geringem Umfang in Frage kommt.

Besonderheiten der Angebote bei Hebammen
Umfassende Information und Begleitung bei allem, was zu klären ist:
Elternzeit, Arbeitgeber, Vaterschaft…
Einbeziehung des Partners, der Kinder…
Hilfe bei üblichen Schwangerschaftsbeschwerden…
Geburtsvorbereitung in Kursen…
Informationen über naturgemäße Geburtsverläufe und über Geburtsorte…
Rufbereitschaft 24 Std. im gesamten Geburtszeitraum. Rufbereitschaftspauschale
wird anteilmäßig von den Krankenkassen übernommen.

Gespräche und Kontakte
über vorangegangene Schwangerschaften und Geburten, Ängste und Besorgnisse, aktuelle Familiensituation - glücklose Schwangerschaften…, Hausbesuche (vor allem, wenn bereits kleine Kinder da sind).
Termine verabreden im Geburtshaus oder in einer Hebammenpraxis bzw. per Telefon.

Mutterpass anlegen
und eintragen: Gewichtsentwicklung - Herzton ab 25. Woche (Hörrohr) -
Laborbefunde: Rhesusfaktor, Blutgruppe, Eisengehalt des Blutes, ….

Geburtshilfe
Zuhause, in der Hebammenpraxis, im Geburtshaus, im Hebammenkreißsaal, ambulant in der Klinik, im arztgeleiteten Kreißsaal. Die Hebamme ist immer dabei. Denn es gibt die Hinzuziehungspflicht für den Arzt. Er muss eine Hebamme zur Geburt hinzuziehen. Die Hebamme verantwortet die Geburtshilfe allein und ruft den Arzt, wenn etwas nicht dem naturgemäßen Ablauf entspricht. Begleitung bei „Ambulanter Beleggeburt“ in der Klinik. Begleitung in die Klinik im Falle einer Verlegung aus dem Geburtshaus oder von zuhause.

Wochenbettbetreuung - Schonzeit (selbst organisieren)
Wochenbettplanung, Stillberatung, Haushaltshilfe…

Rechtlicher Rahmen
Die Hebamme übt einen eigenständigen und unabhängigen Heilberuf aus. Sie ist berechtigt, Geburten ohne Arzt zu begleiten. Das ist Geburtshilfe. (In Abgrenzung dazu sprechen wir von Geburtsmedizin, wenn ärztlich mit Medikamenten oder operativ eingegriffen wird.)
Die Hebamme ist verpflichtet, bei nicht regelrechter Schwangerschaft an Ärztin oder Arzt zu überweisen oder diese/n hinzuzuziehen bzw. eine gebärende Frau im Falle von sich andeutenden Komplikationen in die Klinik zu verlegen.


Rechtlicher Rahmen der Eltern

Grundgesetz Artikel 2 formuliert das Selbstbestimmungsrecht. Die Wahl der Person, welche die Vorsorge durchführt, ist Teil des verfassungsrechtlich geschützten Freiheitsrechts zum selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Gesundheit. (BVerfG Beschluss v. 23.3.1998, NJW 1998,1774). Die zwingende Vorgabe eines Arztbesuchs während einer ihrer Natur nach urgesunden Schwangerschaft ist ein eindeutiger Grundrechtsverstoß, der faktisch zur Behinderung der freien Wahl der Begleitperson (Hebamme oder Ärztin) oder des Geburtsortes führen kann.