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Klinik-Geburtsbericht anfordern

Wichtiges Dokument für eigene Unterlagen

Bei jeder Geburt, ob Klinik oder außerklinisch, wird ein Geburtsbericht handschriftlich angefertigt. Der Ablauf und das, was zeitlich nacheinander von Hebamme oder Ärztin/Arzt veranlasst wird, hat dokumentarischen Wert:
Medikamente und Dosierungen - Herztöne - Zeitpunkt, wann sich die Fruchtblase öffnet - Zeitpunkt, wann eine Ärztln gerufen wird, was verordnet wird - wenn die Frau einen Wunsch hat oder eine Behandlung ablehnt... . Alle diese Angaben können als Erinnerungsstütze sehr aufschlussreich für den Geburtsverlauf sein, sie helfen zu verstehen, was passiert ist. 

Sie als Mutter haben ein Anrecht auf die Kopie dieses Geburtsberichtes, der in Kliniken 30 Jahre lang aufbewahrt werden muss. D. h. selbst wenn Ihr Kind schon erwachsen ist, kann es Sinn machen, den damaligen Geburtsbericht anzufordern. Das kann einfach per Email gemacht werden:

"Sehr geehrte Damen und Herren, am (Datum) wurde mein Kind in Ihrer Klinik geboren. Ich bitte um Übersendung der handschriftlichen Geburtsaufzeichnungen, die während der Geburt gemacht wurden. Mit freundlichem Gruß..."
Es entstehen meist nur geringe Kosten für Kopien und Porto.
Achten Sie auf das Handschriftliche, denn bei Abschriften könnten wichtige Details weggelassen werden.

Wann kann ein Geburtsbericht für Sie und Ihr Kind von Bedeutung sein?

- Wenn Ihr Kind an wiederkehrenden Beschwerden leidet, für die es keine Erklärung gibt (z.B. Kopfschmerzen, Abwehr von Mütze oder engen Pullis),
- wenn es Auffälligkeiten in der Motorik gibt (z. B. Abwehr von Körperkontakt, Drehen, Krabbeln, Vorliebe für eine Seite, überstreckte Haltung beim Schlafen...),
- wenn es Auffälligkeiten im Verhalten gibt ( z. B. Ängste, Vermeiden, Schreien, ohne, dass Sie einen Grund dafür finden),
- wenn Sie mit Ihrem herangewachsenen Kind über dessen Geburt sprechen wollen. z. B., um ihm zu erklären, wie es zu einem Kaiserschnitt kam,
- wenn Sie eine Vermutung haben, dass die Geburt bei Ihrem Kind Spuren hinterlassen hat, die sie verstehen wollen. Besonders kann sich im Vergleich von mehreren Geburten eine Auffälligkeit zeigen, die auf die Geburt hinweist,
- wenn Ihr Kind eine Therapie benötigt und die Geburt eine Rolle spielt,
- wenn Sie Ihr eigenes Erleben bei der Geburt noch einmal mit einer Hebamme/Therapeutenperson durcharbeiten wollen,
- wenn Sie wieder schwanger werden wollen und die Erinnerungen an die vorangegangene Geburt dem im Wege steht,
- wenn Ihr Kind in Übergangssituationen (KiTa, Schule, Ausbildung, flügge werden...) scheinbar immer dieselben Hürden überwinden muss.

Bei der Geburt eines Menschen werden Weichen gestellt für das Verhalten, das Erleben, die eigen Motivation, das Körpergefühl... Vorhersagen lässt sich das individuell Erlebte und die Folgen nicht.

Geburtsberichte sind sehr wertvolle Dokumente, die dazu beitragen können, aus Vergangenem zu lernen, Ursachen und Folgen zu bedenken. Wir wissen heute sehr viel über die Langzeitwirkungen von Geburtserlebnissen. Das Wissen verdanken wir therapeutischen Behandlungsverläufen sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern.

Bücher für Eltern, die mit ihren Kindern über die Geburt sprechen wollen:

Groß-Alpers, Anna: Wie war es in Mamas Bauch? Ein Erzähl- und Mitmachbuch für Kinder im Grundschulalter oder früher.

Thurmann, Ilka-Maria: Am Anfang waren wir zu zweit. Mabuse. Eine Zwillingsschwangerschaft die glücklos bleibt und für das geborene  Geschwisterkind Spuren hinterlässt. 

Beide Bücher vermitteln vorgeburtliches psychologisches Grundwissen, das Eltern hilft, sich in die Situation ihres Kindes einzufühlen. Durch einfache Sprache sind beide Bücher gut für das gemeinsame Betrachten geeignet.

06/2022