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CTG und Telemetrie

Neue Leitlinie will weniger CTG

Die "S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin" (2020) reagiert auf den routinemäßigen Einsatz des CTG. Zu häufig wurde das CTG wegen Personalmangel eingesetzt. Häufige Fehlinterpretationen des CTG (was die Gefährdungslage des Babys betraf) sorgten jahrelang für Kritik.  Das CTG ist als diagnostisches Instrument umstritten. Bei jedem zweiten Kind wird das CTG fehlinterpretiert, so dass der Gesundheitszustand des Babys falsch eingeschätzt wird, mit möglichen gravierenden Folgen. Diese hohe Zahl von Fehlinterpretationen wird von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) angegeben. Es gibt Angaben mit Fehlinterpretationen, die noch höher liegen.
Ab sofort soll das Pinard-Hörrohr wieder mehr zum Einsatz kommen.

Ob der Gebrauch des CTG rückkläufig sein wird, hängt auch von den Eltern ab, die sich informieren und nachfragen sollten, ob nach der neuen Leitlinie gearbeitet wird. Die dünne Personaldecke in Kliniken ist ein  Risikofaktor, dessen sollten sich Eltern bewusst werden.  

Was steht zu CTG und Telemetrie in der S3-Leitlinie?

LL = Aussagen der S3-Leitlinie, Kurzfassung.
Wir geben den Inhalt in nichtmedizinischer Sprache wieder. Zitate sind mit „…“ und Seitenangabe markiert.
GreenBirth: Wir erläutern ohne den Anspruch der Vollständigkeit und ohne Gewähr. Alle Hervorhebungen, fett oder kursiv von Greenbirth


Leitlinie
Mit dem CTG (S. 21) werden Herztöne des Kindes und der Mutter ermittelt.
Zur Verfügung steht der bekannte Gürtel, welcher mit Elektroden besetzt ist und der Frau um den Bauch geschnallt wird. Er darf nicht verrutschen, deshalb muss die Frau liegen. Alternativ gibt es die Ableitung durch Telemetrie. Das ist eine drahtlose CTG-Überwachung. Damit kann sich die Frau frei bewegen. Dies soll laut LL allen Frauen angeboten werden.
„Die Interpretation von CTG-Aufzeichnungen mit Hilfe von computergestützten Systemen sollte aktuell nicht routinemäßig eingesetzt werden.“ (S. 40) D.h., das CTG soll durch das Personal und nicht automatisch erfolgen.
Überdies soll das CTG nicht alleinentscheidend sein. In der LL werden einige zentrale Aspekte genannt, welche in die Gesamtbeurteilung mit einfließen sollen.


GreenBirth
Das CTG wir automatisch der Frau angelegt, sobald sie künstliche Wehenmittel zur Einleitung oder Unterstützung der eigenene Wehen bekommt. Es muss dann permanent überprüft werden, wie das Kind darauf reagiert. Nicht jede Mutter und jedes Kind verträgt das.

Die Anwendung des CTG - (wenn keine Wehenmittel gegeben werden) - steht und fällt mit einer Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme. Ist dieser Betreuungsschlüssel klinisch nicht gegeben, wird den Frauen das CTG verordnet werden. Darum fordern wir vorrangig die Ausbildung von Hebammen und deren Rückgewinnung für den Beruf. Wir fordern ausdrücklich eine Stärkung der außerklinischen Geburtshilfe, die mit weit weniger Technik auskommt und sich dem Geburtsgeschehen individuell besser anpassen kann.

Wir zitieren aus "Kinderrechtsverletzungen während Schwangerschaft, Geburt und in den ersten Lebenstagen" von Iris Eichholz: (2019), S. 24 „…Das CTG verwendet Puls-Doppler-Wellen, die energiereicher sind als der bildgebende Ultraschall und das Kind daher wahrscheinlich stärker belasten. Mögliche Schäden können insbesondere durch Temperaturanstieg im Gehirn entstehen. Untersuchungen bei Kindern wurden aber bisher nicht durchgeführt.“

Das CTG bildet oftmals den Zwischenschritt bei der Verkettung von Eingriffen hin zur Schnittentbindung: 
Wehenmittel CTG (fehlinterpretiert) Kaiserschnitt: 
Wehenmittel erfordern die CTG Überwachung, CTG-Überwachung mit hoher Rate von Fehlinterpretationen führt zu einer hohen Zahl von Kaiserschnitten.

Allgemeine Informationen zur Leitlinie
Kurzfassung der Leitlinie

06/2021