geburts abc

Schwangerschaft erwartete Dauer

Zurück zur Faustregel?

Auf Basis des Erfahrungswissens vieler Generationen galt die Faustregel, dass ein Baby 9 Monate bis zur Geburt braucht. Das reicht jedoch nicht in einer Zeit, die nach tausendstel Sekunden das Jahr, sportliche Höchstleistungen und Umlaufbahnen von Satelliten misst.

Das Bedürfnis, den Geburtstag von Babys genau zu berechnen, ist verständlich, aber nicht möglich. Reifung geschieht individuell: Die Milchzähne zu verlieren, in die Pubertät zu kommen und geschlechtsreif zu werden, die Regelblutung und graue Haare zu bekommen – das alles sind Merkmale biologischer Reifung und Veränderung. Nach diesem Prinzip reifen auch Babys unterschiedlich. „Nehmen Schwangerschaft und Geburt ihren natürlichen Lauf, erblicken 90 Prozent aller Babys innerhalb von drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin das Licht der Welt. Kinder, die zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren werden, gelten als termingerecht.“

https://www.urbia.de/services/geburtsrechner

Die Klinikgeburt, Mutterpass und Berufstätigkeit der Frauen fördern die Fixierung auf einen Entbindungstermin. Zur Berechnung des Mutterschutzes ist das sinnvoll. Arbeitgeber möchten und müssen sich auf die Schwangerschaft und Elternzeit von MitarbeiterInnen einstellen.

Die Datierung eines Termins ist sinnvoll, die Fixierung darauf hat allerdings wesentliche negative Folgen, die erst im Laufe der letzten Jahren erkannt wurden:

  • Terminfixierung – führt zu einem „Davor“ und „Danach“.

  • Wöchentliche/tägliche Einbestellung/frühzeitige Einweisung in die Klinik, Geburtseinleitungen Bei der medizinischen Betreuung der schwangeren Frauen bürgert es sich ein: Der ET wird zum Stressfaktor, den Frauen als höchst störend und belastend erleben.

  • „Überschreiten“ des ET bekam eine negative Bedeutung, als ob Gefahr drohe und das Baby im Mutterleib nicht mehr sicher sei. Frauen werden engmaschig überwacht. Auch das erzeugt Stress und stört nachweislich die Entwicklung von Geburtshormonen.

  • ET + 3-Regel bedeutet für gesetzlich versicherte Frauen, dass sie sich genau an diesem Tag einem Facharzt vorzustellen haben. Ziel soll sein, sich bescheinigen zu lassen, dass einer außerklinischen Geburt nichts im Wege steht. Eine bis heute umstrittene Regel, die nicht für privat versicherte Frauen Frauen gilt und nicht für Frauen, die in einer Klinik entbinden wollen.

    Eine auf den ET fixierte Begleitung schwangerer Frauen stellt eine gravierende Kinderrechtsverletzung und eine gravierende Frauenrechtsverletzung dar.

Begründung:

  1. Der errechnete Mittelwert, genannt ET, ist nicht mehr als der durchschnittliche Wert einer Schwangerschaftsdauer, die Unterschiede von bis zu fünf Wochen aufweist.

  2. Die seit 2015 durchgesetzte ET+3-Regelung verletzt Frauenrechte zur Wahl des Geburtsortes. Sie reglementiert die außerklinische Geburtshilfe bei gesetzlich versicherten Frauen durch Hebammen. Die Wahl des Geburtsortes ist jedoch ein Frauenrecht, das über dem Berufsrecht von Ärzten/Hebammen steht

  3. Ca. 4 % aller Kinder kommen tatsächlich am „errechneten Geburtstermin“ zur Welt. Dieser geringe statistische Wert rechtfertigt nicht, an dieser gravierenden Kinderrechtsverletzung der Fixierung eines Datums festzuhalten.

  4. Kinder reifen im eigenen Tempo im Zusammenspiel mit ihrer Mutter. Dabei spielen individuelle Faktoren eine gewichtige Rolle. Die Einleitung einer Geburt ohne medizinische Notwendigkeit verletzt Kinderrechte. Niemand würde auf die Idee kommen, Kindern Medikamente zu geben, damit sie alle am 13. Geburtstag geschlechtsreif werden. Die Geburtsreife des Babys ist hormonell bedingt. Von außen verursachter Stress der Mutter stört diesen sensiblen Prozess.

  5. Die Rechte der Mutter werden verletzt, da sie sich in der letzten Phase des Übergangs von der Frau zur Mutter befindet. Niemand hat das Recht, das Tempo für diesen Prozess vorzuschreiben. Hier spielen archaische, hormongesteuerte biologische Vorgänge die größte Rolle. Aber auch die psychische Situation, dass die Frau die Bereitschaft braucht, das Baby „loszulassen“ und es mit der Familie und der Welt zu teilen, braucht Zeit.

  6. Daraus folgt:

  • Respekt gegenüber den Reifungsprozessen, die bei der Schwangerschaft und Geburt eines Menschen eine Rolle spielen, gehört ins Zentrum jeder Schwangerschaftsbegleitung.

  • Schwangere Frauen sollten sich daran erinnern, dass die Vorsorge freiwillig und durch Hebammen in vollem Umfang gewährleistet wird.

  • Schwangere Frauen tun gut daran, sich einen Geburtstermin als Mitte von vier bis fünf Wochen vorzustellen. Mütter mehrerer Kinder wissen das. Die Faustregel: Datum +/- 14 Tage ist dabei hilfreich.

  • dem eigenen Kind die Entwicklung zuzugestehen, die es braucht. Die Wehen, die es mit seiner Reife anstößt, sind Zeichen für den Start.