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Stillen und Oxytozin

Warum Oxytozin so wichtig ist

Während der Wehen der Mutter wird Oxytozin (Hormon/Botenstoff) in großen Mengen ausgeschüttet und wirkt auf Mutter und Kind. Beide werden dadurch entspannt und empfinden weniger Schmerzen bei der Geburt. Oxytozin ist das körpereigene Schmerz- und Angstvertreibungsmittel beim Menschen. Auch durch Hautkontakt und beim Stillen wird viel Oxytozin ausgeschüttet. Stillen geht nicht ohne.
Oxytozin erleichtert das erste Stillen des Babys. Es kann sich dabei entspannen. Das ist bei der allerersten Nahrungsaufnahme von außen von großer Bedeutung.

Was stärkt die Ausschüttung dieses Liebeshormons?

* Eine Frau, die voll auf sich vertrauen kann und gedanklich darin von Hebammen, ÄrztInnen und vom Partner unterstützt wird, bildet mehr Oxytozin.
* Je weniger Eingriffe jeglicher Art, desto mehr Oxytozin kann sich bilden und ausgeschüttet werden.
Was hemmt die Ausschüttung dieses Liebeshormons?
* Eine Umgebung, die Zweifel an der gesunden, funktionierenden Geburt äußert.
* Manipulationen des Geburtsverlaufs durch ÄrztInnen und Hebammen, z.B. Eingriffe zur Beschleunigung und Hemmung der Wehen, Zeitdruck, verbale Entmutigung, Manipulationen am Gebärmuttermund, Achtlosigkeit, fehlendes Verständnis, Ungeduld, Drohungen usw.
* Bei einer PDA entsteht Stress. Das Stresshormon Cortisol wird im Körper der Mutter gebildet und überlagert das körpereigene Oxytozin. Die PDA vermindert somit die Oxytozinwirkung.
* Künstliches Oxytozin blockiert die Wirkung des mütterlichen Oxytozins. Es kommt nur noch wenig des natürlichen Oxytozins der Mutter beim Kind an. Künstliches Oxytozin ersetzt nicht das natürliche Hormon der Mutter.
* Zur Beachtung: Bei Kaiserschnitt/Sectio ohne Wehen entsteht kein Oxytozin! Auch darum sollten beim geplanten Kaiserschnitt die Wehen der Mutter abgewartet werden.Dies erklärt auch, warum das Stillen nach Kaiserschnitt schwerer in Gang kommt.

Folgen für den Stillbeginn:
Kind und Mutter können übererregt und erschöpft sein. Das erste Stillen klappt evtl. nicht gut. Ist die Mutter unsicher, wird häufig zu schnell zugefüttert. Frühes Zufüttern führt oft zum Abbruch des Stillens, mindestens aber zu großen Stillproblemen. Weil die Milchbildung vom kindlichen Hunger abhängt, führt jedes Zufüttern zu einem veränderten Hungergefühl beim Kind.
Auch die Verabreichung von Glukose (Zuckerlösung) zur Schmerzstillung beim Blutabnehmen kann zu einer stundenlangen Verzögerung der Hungerentwicklung beim Kind führen.
Fragen Sie die Geburtsklinik oder zukünftige Hebamme: „Arbeiten Sie „Oxytozin-sensibel?“ oder "Berücksichtigen Sie in dieser Klinik die natürliche Oxytozinbildung?"
Falls ein Kaiserschnitt notwendig ist, sollten Sie darauf achten, dass die Klinikaufklärung eine spezielle Stillberatung anbietet. Das könnte auch ein Kriterium für die Auswahl der Klinik sein, in der Sie entbinden wollen.
Stillen trotz Kaiserschnitt und was dabei hilft
Bei geplantem Kaiserschnitt: Möglichst erst nach Wehenbeginn die Sectio durchführen, damit Oxytozin ausgeschüttet wird! Es gibt nur selten medizinische Gründe, die dagegen sprechen! Für das Baby ist das Stillen nach Sectio doppelt wichtig, weil auch beim Stillen extra viel Oxytozin ausgeschüttet wird, das zu Beruhigung und Entspannung von Mutter und Kind führt.

Stillen nach Kaiserschnitt:
* Oxytozin wird durch Hautkontakt ausgeschüttet, daher sollte das Baby nackt und viel Haut an Haut mit der Mutter bleiben.
* Die Mutter ist durch die Operation oder Geburtsverletzungen ggf. in der Bewegung eingeschränkt. Daher braucht sie viel Hilfe für die richtigen Stillpositionen, um die Brustwarzen zu schonen.
* Die Brust sollte zusätzlich mit einer Pumpe oder durch Ausstreichen (unbedingt richtig zeigen lassen!) angeregt werden.
Die Brust gibt Milch nur auf Bestellung!
* Die Brustwarze unter der Nase des Kindes „parken“. Das Kind öffnet den Mund, riecht lecker!
* Die Brust sollte vor dem Anlegen gekühlt werden, da am Anfang noch viel anfallende Lymphe das Gewebe anschwellen lässt, was den Milchabfluss blockiert. Durch das Kühlen wird diese Schwellung verringert und die Milchgänge haben mehr Platz, das Stillen fällt leichter.