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Tragen und Wirbelsäule

... orthopädische Hinweise

„Aus seiner Zeit im Mutterleib hat das Kind zunächst noch einen nach hinten runden Rücken (Totalkyphose). Durch Anheben des Kopfes bildet sich dann zunächst die Halslordose aus. Lernt das Baby, den Oberkörper ständig aufrecht zu halten, indem es das Becken leicht nach hinten kippt, entsteht die Lendenlordose – die Doppel-S-Form der Wirbelsäule ist perfekt.
Das Tragen des Babys unterstützt diese Entwicklung. Allerdings ist es dabei wichtig, dass der Rücken wirklich gehalten wird (nicht gestaucht); zum Beispiel durch ein wirklich fest gebundenes (nicht: geschnürtes) Tragetuch. Bei stets liegenden Kindern wird der Rücken eher durch die Schwerkraft gerade gelegen.
Die Humanethnologin Evelin Kirkilionis* hat fast 200 Kinder untersucht. Sie konnte keinen Zusammenhang zwischen frühem Getragen-Werden und Wirbelsäulenauffälligkeiten feststellen – weder hinsichtlich der durchschnittlichen Tragedauer und der Tragemethode, noch bezüglich der gesundheitlichen Situation. Die meisten der untersuchten Eltern trugen ihre Kinder während des ersten halben Jahres etwa eine bis zweieinhalb Stunden am Tag, einige begannen damit bereits in der ersten Lebenswoche. Gut 20 Prozent der Eltern trugen ihre Babys gar mehr als vier Stunden täglich aufrecht am Körper. Auch bei ihnen waren Auffälligkeiten der Wirbelsäule nicht häufiger. Der Bewegungsspielraum der Beine eines Menschenbabys liegt vor dem Becken (vergleichbar der Anatomie eines Schimpansenbabys). Kirkilionis: 'Diese anatomischen Gegebenheiten und Bewegungsfreiheiten der Beine eines Säuglings sind daher an die Lebenswelt eines Traglings angepasst, der angeschmiegt an den Körper seiner Mutter auf der Hüfte sitzt.“ Das Baby rechnet auch damit, getragen zu werden: Schon wenn ein Erwachsener sich dem Baby nähert und es freundlich anspricht, zieht es seine Beinchen an – in der Erwartung hochgenommen zu werden.' "

*Kirkilionis, E.: Ein Baby will getragen sein, Alles über geeignete Tragehilfen und die Vorteile des Tragens, Kösel, 2003

Aus: Bettina Salis: „Ein Baby will am Körper sein“, veröffentlicht im Hebammenforum 2004