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Tragen des Babys weniger Unruhe

 ... mehr Zufriedenheit

„Inzwischen sind die kindlichen Bedürfnisse nach Kommunikation, Körperkontakt und Bewegung allgemein anerkannt. Trotzdem scheint in vielen Eltern (und Großeltern) ein Zweifel zu bohren: Wird das Kind nicht zu sehr verwöhnt, wenn es die ganze Zeit auf dem Arm ist?
Die Säuglingsforschung und die Bindungsforschung haben hierzu mittlerweile eine ganze Reihe von Arbeiten hervorgebracht, die solcherlei Zweifel zerstreuen. So ist jetzt wissenschaftlich bestätigt, dass Babys, deren Bedürfnisse befriedigt werden, ein größeres Urvertrauen haben und früher selbstständig werden. Neugeborene, die viel getragen werden, schreien signifikant* weniger als jene, die seltener getragen oder sogar erst hochgenommen werden, wenn sie bereits mit dem Schreien begonnen haben. Und: Sie schreien nicht nur weniger, sie sind auch sonst ausgeglichener – messbar an längeren zufriedenen Wachzeiten. Das Bild des unwirschen, weil verzogenen Säuglings – auf getragene Babys trifft es nicht zu.
Wer sein Neugeborenes viel trägt, erleichtert ihm den Übergang vom intrauterinen Leben (mit ständigem Körperkontakt) zum beängstigend luftigen Leben nach der Geburt. Instinktiv haben Generationen von Eltern Jahrtausende lang genau das getan – bis vor etwa 150 Jahren. 'Wenn wir bedenken, dass der menschliche Säugling beinahe während der ganzen Menschheitsgeschichte von der Mutter herumgetragen wurde, müssen wir uns ernsthaft fragen, ob nicht viele Kinder gar nicht in der Lage sind, in den ersten Lebensmonaten ohne ständigen Körperkontakt mit der Mutter und anderen vertrauten Personen auszukommen', mahnt der renommierte Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo.“

*signifikant = auffallend (im wissenschaftlichen Vergleich)

Aus: Bettina Salis: „Ein Baby will am Körper sein“, veröffentlicht im Hebammenforum 2004