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Tragen schult Gleichgewicht

… und Tastsinn

„Körperkontakt ist ein lebenswichtiges Grundbedürfnis des Menschen – ebenso wie Essen, Trinken und Schlafen. Die schwerste Form fehlender körperlicher Zuwendung ist die psychische Deprivation (Hospitalismus), wie sie früher etwa bei Heimkindern auftrat: Trotz ausreichender Ernährung und Hygiene bleiben diese Kinder in ihrer psychomotorischen Entwicklung zurück, zeigen insbesondere Abweichungen der Sprachentwicklung und des psychosozialen Verhaltens. Typische Symptome: Angst, Aggressivität und Kontaktschwäche.

Umgekehrt ausgedrückt: Körperkontakt schult das Selbstbewusstsein des Babys, es bekommt im wahrsten Sinne des Wortes ein Bewusstsein für sich selbst und auch für seine Grenzen. Das haben Wissenschaftler inzwischen bestätigt. Sie haben auch herausgefunden, warum Hospitalismus-Kinder in ihrer Entwicklung zurückbleiben: Die taktile Stimulation fördert Wachstum, Entwicklung und Taktgefühl eines Menschen, das Bewegt-Werden schult die Bewegungswahrnehmung und wirkt beruhigend (dieses Gefühl kennt das Neugeborene ja noch aus der Zeit vor der Geburt).

Früher schaukelte man Babys in der Wiege und/oder wickelte sie in Tücher, um ihnen eine Art Ersatz für die fehlende Stimulation des Getragen-Werdens zu verschaffen. Während des Tragens werden sämtliche Sinne des Babys angesprochen, allen voran der Gleichgewichtssinn und der Tastsinn – zwei Sinne, die sich schon in der Frühschwangerschaft ausbilden und die wesentlich daran beteiligt sind, die anderen Sinne des Babys zu koordinieren und somit die Entwicklung des kindlichen Gehirns zu fördern.
Tragen führt also nicht dazu, dass das Kind verzogen wird, sondern dass seine Bedürfnisse adäquat befriedigt werden und es sich zu einem selbstbewussten kleinen Menschen entwickeln kann. Unbestritten ist heute außerdem, dass Tragen die Mutter-Kind-Bindung fördert.“

Aus: Bettina Salis: „Ein Baby will am Körper sein“, veröffentlicht im Hebammenforum 2004