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Tragen ist kein Dogma

… Geduld ein wichtiger Helfer

„Die meisten von uns wurden als Kinder nicht bzw. kaum getragen. Vielen ist ein dauerhaft so enger Körperkontakt fremd, wenn nicht unangenehm. In unserer Kultur wird so viel Körpernähe kaum gelebt. Hinzu kommt, dass viele Mütter und Väter unter Rückenproblemen leiden und deswegen ihre Kinder lieber nicht tragen wollen oder es auch schlichtweg nicht können.
Machen Sie kein Dogma aus dem Tragen! Auch wenn es für Babys unstrittig gut ist, getragen zu werden, so ist es doch keine unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung des Kindes. Schließlich gibt es noch andere Möglichkeiten, Körperkontakt zu leben: Kuscheln, Spielen, Babymassage...
Viele Eltern allerdings möchten ihr Kind gern tragen, werfen dann aber angesichts auftretender Probleme das Handtuch (bzw. das Tragetuch). Diese Eltern sollten Sie unbedingt ermuntern, es weiter zu versuchen. Machen Sie ihnen klar:
1. Je früher Eltern anfangen, ihr Kind zu tragen, umso leichter ist es – schließlich wiegt ein Neugeborenes ja noch nicht so viel wie ein Krabbelkind. Die Rückenmuskeln der Eltern werden früh trainiert und wachsen sozusagen mit der zunehmenden Belastung mit. Auch ein Säugling, der von Anfang an getragen wurde, hilft später besser mit.
2. Das Tragen klappt nicht immer auf Anhieb. Meist sind Geduld und Übung erforderlich, bis alle Beteiligten sich wohl fühlen. Nicht gleich aufgeben!“

Aus: Bettina Salis: „Ein Baby will am Körper sein“, veröffentlicht im Hebammenforum 2004