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Verdachtsdiagnose durch PND was nun?

Die Schwangerschaft fortsetzen oder abbrechen?

• Pränataldiagnostik (PND) - Basisinformationen
• Nicht invasive und invasive Methode
• Ungünstige (infauste) Diagnose
• Die Schwangerschaft abbrechen?
• Die Schwangerschaft fortsetzen?
• Geburt eines toten oder nicht lebensfähigen Kindes
• Würdiger Abschied

Pränataldiagnostik – Basisinformationen

Pränataldiagnostik (PND) wird den Eltern meist im Rahmen der Vorsorgetermine angeboten. Es handelt sich dabei aber nicht um Vorsorge, sondern um ärztliche Zusatzangebote des Gesundheitsmarktes, die privat zu zahlen sind.

Ziel von pränataldiagnostischen Untersuchungen ist es, gezielt nach Hinweisen auf Fehlbildungen oder Normabweichungen beim ungeborenen Kind zu suchen. Dabei wird zwischen nicht invasiven und invasiven Methoden unterschieden.

Als nicht invasiv gelten
• Ultraschalluntersuchungen,
• Nackenfaltenmessung/Nackenfalten-Transparenztest und
• verschiedene Bluttests.

Ob Ultraschall eine nicht invasive, d.h. nicht eindringende Methode ist, wird aufgrund fehlender Belege für die Unschädlichkeit von Ultraschallwellen kontrovers diskutiert. Vorsicht ist in jedem Fall geboten. Es gilt das ALARA-Prinzip, d.h. „So wenig wie möglich, so viel wie nötig.” („as low as reasonably achievable“). Ab 31.12.2020 dürfen Ultraschalluntersuchungen nur nach medizinischer Indikation durchgeführt werden. Das gilt insbesondere in der Frühschwangerschaft und auch für die Feindiagnostik mit hoch auflösendem Ultraschall. Allein die Dauer (40-60 Minuten) stellt für das ungeborene Baby eine hohe Belastung dar.

Ein Vaginalultraschall kann für die Mutter emotional hoch belastend sein. Dem muss keine Frau zustimmen. Die mechanischen und thermischen Wirkungen von Ultraschallwellen können das Zellwachstum stören. Das ist nachgewiesen. Es ist nicht auszuschließen, dass Ultraschall in der Frühschwangerschaft die verletzlichen Zellen des kleinen menschlichen Wesens schädigt und seinen Tod verursacht.

Häufig haben nicht invasive Untersuchungen invasive zur Folge, wenn einer Verdachtsdiagnose nachgegangen wird.

Invasive Verfahren sind
• Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese),
• Plazenta-Punktion (Chorionzottenbiopsie),
• Nabelschnur-Punktion (C(h)ordozentese).

Pränataldiagnostische Untersuchungen können zu „infausten“ (ungünstigen) Diagnosen führen. Gedanken, das Baby könnte behindert sein oder Anomalien aufweisen, die sein Leben schon im Mutterleib gefährden, können Eltern – und folglich auch das Baby - hochgradig stressen. Mit der Prognose, das Baby sei so schwer krank, dass es wahrscheinlich während oder kurz nach der Geburt stirbt, werden Eltern vor die Entscheidung gestellt, ob sie ihr Kind so annehmen, wie es ist oder es abtreiben wollen. Nur in sehr seltenen Fällen stehen Therapien zur Verfügung. Operationen in der Gebärmutter führen fast immer zu Frühgeburten mit teilweise lebenslangen Belastungen für Eltern und Kind.
Eltern müssen vom Arzt im Vorfeld darüber informiert werden, dass PND zu der Frage eines Schwangerschaftsabbruchs führen kann.
Ist für Mutter und/oder Vater ein Schwangerschaftsabbruch undenkbar, empfehlen wir Eltern von vorn herein ihr Recht auf eine ungetestete Schwangerschaft in Anspruch zu nehmen

Die Schwangerschaft abbrechen?

In Deutschland sind Schwangerschaftsabbrüche aufgrund einer infausten Diagnose zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich. Was das an seelischen Belastungen mit sich bringt und für eine Partnerschaft bedeuten kann, zeigt der Film „24 Wochen“.
Für Eltern ist die Nachricht, dass ihr Kind evtl. behindert oder nicht lebensfähig ist, häufig ein Schock. Sie brauchen vor allem Zeit, das Unfassbare zu begreifen und eine Entscheidung zu treffen, mit der sie leben können. Sie sollten sich darum auf jeden Fall eine Beratung suchen, die in allen größeren Städten angeboten wird.
Häufig werden Eltern gedrängt, sofort oder sehr schnell über einen Abbruch zu entscheiden. Je länger eine Schwangerschaft besteht, desto schwerer fällt es, sich von dem ungeborenen Kind zu trennen. Davon wird ausgegangen. Das trifft aber nicht für jede Mutter/jedes Elternpaar zu. Eine reiflich überlegte Entscheidung kann sehr sinnvoll sein, für das Leben der Eltern und für ihre Wünsche nach einem weiteren Kind.
Wie ein Schwangerschaftsabbruch vollzogen wird, hängt davon ab, wie lange die Schwangerschaft besteht. Wird ein Kind etwa nach der 22. Schwangerschaftswoche nach Weheneinleitung lebend zur Welt gebracht, sind Ärzte gesetzlich zu einer Maximalversorgung verpflichtet. Um diese Möglichkeit auszuschließen, wird ein sogenannter „Fetozid“ (absichtliches Töten des Kindes im Mutterleib) vorgenommen. D.h. der Arzt führt eine Nadel in die Fruchtblase ein, um entweder die Blutzufuhr durch die Nabelschnur zu unterbrechen oder ein Schmerzmittel zu spritzen, dem die Injektion von Kaliumchlorid in das Herz des Kindes folgt. Daraus resultiert innerhalb weniger Minuten der Herzstillstand. Danach wird die Geburt eingeleitet. Aufgrund der seelischen Belastung der Mutter und weil die Geburt ohne die Mitarbeit des Kindes erfolgen muss, kann es bis zu einer Woche dauern, bis der Abbruch vollzogen ist.

Die Schwangerschaft fortsetzen?

Eltern haben die Möglichkeit zu entscheiden, ob die Schwangerschaft bestehen bleiben soll. Das ermöglicht ihnen, ihrem Kindes bzw. der Natur zu überlassen, ob und wann das Leben endet. Vielleicht stirbt das Kind im weiteren Schwangerschaftsverlauf oder es wird geboren, um ein paar Minuten, Stunden oder auch Tage zu leben. Manche Kinder leben länger, weil ihr körperlicher Zustand besser ist als angenommen oder sich die Diagnose als falsch herausstellt. Es kann für die Eltern unerträglich sein, sich gegen das Lebensrecht ihres Kindes zu entscheiden. Hat nicht auch eine kurze Lebensspanne einen Sinn, den es zu respektieren gilt?

Geburt eines toten oder nicht lebensfähigen Kindes

In dem Film „Mein kleines Kind“ ist die Geburt eines schwerstbehinderten Babys im Familienkreis dokumentiert. Gezeigt wird, wie dem Leben und Sterben des Kindes Raum gegeben wird. Eltern, Geschwister und FreundInnen haben Gelegenheit, mit dem Kind in Kontakt zu treten, es zu berühren, es mit eigenen Augen zu sehen und sich liebevoll von ihm zu verabschieden.
Als Eltern können und müssen Sie entscheiden, welchen Weg Sie persönlich gehen wollen. Das bedeutet aber nicht, dass sie diesen Weg alleine gehen müssen.
Sie können sich von einer Hebamme, einer Doula oder einer Sterbeamme begleiten lassen.
Vielleicht möchten Sie sich mit der Diagnose Ihres Kindes und mit den möglichen Prognosen beschäftigen.
Sie können mit anderen Eltern in Kontakt treten, die Ähnliches erlebt haben/erleben und mit den gleichen Themen beschäftigt sind wie Sie. Darüber zu sprechen, sich über Gedanken, Gefühle und Fragen auszutauschen und mit der Situation nicht alleine zu sein, kann entlasten.
Neben der Möglichkeit persönlicher Kontakte mit betroffenen Müttern und Vätern sind auch virtuelle Verbindungen möglich, z.B. unter www.weitertragen.info.

Nach und nach können Sie zusammen mit Ihrer Hebamme oder einer Doula Ihre Vorstellungen von der Geburt entwickeln. Wenn Sie sich für die Vertrautheit Ihres Zuhauses entscheiden, haben Sie die Gewissheit, dass es ungestörten Raum und Zeit für Ihre Gefühle gibt.
Wenn Sie lieber in eine Klinik gehen möchten, können Sie dort Ihre Wünsche äußern und sich vorab klar werden, in welcher Situation Sie welche Maßnahmen wünschen und was für Sie gar nicht in Frage kommt.
Finden Sie die Klinik, in der die Ärzte und das Pflegepersonal Ihre Wünsche für die Geburt Ihres Kindes akzeptieren und unterstützen.

Würdiger Abschied

Wenn ein Leben mit Ihrem Kind nicht möglich ist, stellt sich die Frage, wie Sie den Abschied von Ihrem Kind gestalten möchten. Sprechen Sie die Menschen an, von denen Sie sich Begleitung wünschen.
Ein Bestatter kann Sie beraten und Sie so begleiten, wie Sie sich das wünschen. Im Falle einer Beisetzung im Familiengrab hilft das Friedhofsamt weiter.
Solange die Schwangerschaft besteht, verbringen Sie Zeit mit Ihrem Kind, auch wenn es wohl nicht ins Leben gehen wird wie Sie es sich vorgestellt haben und wünschen. Diese Zeit gibt Ihnen die Möglichkeit, das Geschehen zu begreifen, Abschied zu nehmen und zu trauern.
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