Wehenmittel Einleitung informiert vermeiden

Geburtseinleitungen häufig Folge von Unruhe, Stress und Zeitdruck

Die Geburt einzuleiten ist bei mindestens 20 % der Frauen, die zur Geburt in die Klinik gehen, üblich geworden. Nur wenige Indikationen sind bekannt, bei denen dieser Eingriff gerechtfertigt ist. Über das Zusammenspiel der mütterlichen und kindlichen Hormone, wenn beiden Zeit, Raum und eine entspannte Umgebung geschaffen wird, können Sie hier vertiefend nachlesen: Iris Eichholz: Kinderrechtsverletzungen während Schwangerschaft, Geburt und in den ersten Lebenstagen, S. 28-30.
Aufgrund unserer Kenntnisse heute, können wir sagen, dass die Bedingungen in Kliniken mit idealen Möglichkeiten für eine in Ruhe begleitete Geburt nur selten anzutreffen sein werden. Die Diskussion um Cytotec greift das Thema der häufig eingeleiteten Geburten insgesamt auf, was einen Blick auf Klinikpraxis und Klinikroutine ermöglicht. Dem muss insgesamt durch strukturelle Veränderungen begegnet werden.

Wehenfördernde Medikamente werden gegeben, wenn der vegetative, hormonell bedingte Prozess der Geburt als zu schwach diagnostiziert wird. Zur Behandlung stehen synthetische Hormone zur Verfügung. Sie bewirken, dass sich die Gebärmuttermuskeln krampfartig zusammenziehen. Da diese Kontraktion nicht dem körperlichen Prozess entspricht, findet die Ausschüttung körpereigener Hormone (Endorphine) zur natürlichen Schmerzlinderung nicht statt. Das hat zur Folge, dass der künstlich erzeugte Schmerz, der die Intensität normalen Schmerzes weit übersteigt, mit künstlichen Schmerzmitteln „bekämpft“ wird. Das kann der Beginn einer Interventionskaskade sein. Nach einer Studie zur klinischen Geburtshilfe äußern 83% der ExpertInnen, dass künstliche/ eingeleitete/ durch Medikamente hervorgerufene Wehen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Geburt mit einem Kaiserschnitt endet. (2)

Syntocinon
Es gibt Hinweise, dass Wehenmittel auch die Gebärmutter weiblicher Babys schmerzhaft stimulieren kann. Die Gebärmutter eines weiblichen Babys wird während der Geburt so groß wie bei einer Siebenjährigen, bevor sie sich danach wieder verkleinert. Untersuchungen zur Wirkung künstlicher Wehenmittel auf weibliche Babys sind uns nicht bekannt. Laut Beipackzettel des Herstellers des synthetischen Hormons Syntocinon werden nachgeburtlich bei einigen Kindern (männlich, weiblich?) krampfartige Reaktionen beobachtet. (1)

Cytotec
Dieses Medikament ist für die Geburtshilfe nicht zugelassen. Es wird bei Magenblutungen eingesetzt. Dass es Wehen auslösen kann, soll zufällig entdeckt worden sein. Es ist wesentlich preiswerter als das gebräuchliche Syntocinon.
Cytotec und seine Wirkung erhielt mediale Aufmerksamkeit, weil mehrere Frauen von ihren Erfahrungen berichteten. Daraufhin beschwerten sich Hunderte Frauen, die Ähnliches erlebt hatten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte reagierte im März 2020 mit einer Rote-Hand-Warnung: Cytotec "darf, basierend auf der Produktinformation, nicht bei Schwangeren angewendet werden".

Wir empfehlen, in Kenntnis dieser Information, Cytotec als Medikament abzulehnen.

 

(1) Recherchen dazu in: Irene Behrmann, Marianne Sturm: Leben und Geburt. Mattes Verlag Heidelberg 2008, S. 78 ff.

(2) Befragung von geburtshilflichen Expertinnen. In: Caroline Oblasser, Ulrike Ebner, Gudrun Wesp: Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht., Riedenburg Verlag Salzburg 2007, S. 274 ff.

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