Vorsorge IGe-L Pränataldiagnostik Was ist was?

Was ist sinnvoll, was ist darüber hinaus nützlich, was ist überflüssig?

1. Vorsorge (gleichberechtigt durch Hebammen/ Ärztin/ Arzt)
Vorsorge in der Schwangerschaft hat sich in Jahrzehnten bewährt. Die folgenden Untersuchungen können von einer Hebamme oder von einem Arzt, auch im Wechsel gleichberechtigt wahrgenommen werden. Beide zeicnnen die Untersuchungsergebnisse im Mutterpass auf. Die Vorsorge ist freiwillig.
Ihre Blutgruppe und Rhesusfaktor sollten festgestellt, Ihr Urin regelmäßig untersucht und der Blutdruck beobachtet werden. Ihre Ernährung sollte Thema sein und natürlich auch Vorerfahrungen mit weiteren Schwangerschaften. Hebammen empfehlen ab der 20. Woche eine Ultraschalluntersuchung, um die Lage der Plazenta herauszufinden und festzustellen, ob eine Zwillingsschwangerschaft vorliegt. Ab 25. Woche kann mit dem Hörrohr der Herzschlag des Babys gehört werden. Mit dem Dopton (Ultraschall) geht es schon früher. Ärztliche Leitlinien empfehlen allerdings das Benutzen dieses Gerätes erst ab errechnetem Geburtstermin (ET). Mehr Untersuchungen sind für gesunde Frauen innerhalb der Vorsorge nicht erforderlich. Sollten Sie oder die Hebamme Hinweise auf eine bestehende Erkrankung finden, wird sie Sie umgehend zu einer Ärztin/ einem Arzt schicken.  Wenn Sie Probleme in Bezug auf Suchtmittel aller Art haben, gehören Sie in ärztliche Obhut. Dann können Sie trotzdem auch zusätzlich eine Hebammenbegleitung bekommen.

2. IGe-L - Individuelle Gesundheitsleistungen (nur in der Arztpraxis)
Ausschließlich in der Arztpraxis werden Ihnen IGe-Leistungen angeboten, die sie selbst bezahlen müssen.
Was sind IGe-Leistungen? Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der AOK erläutert:

"- Individuelle Gesundheitsleistungen sind ärztliche Leistungen, die nicht Teil des Leistungskatalogs der GKV sind.
 - IGeL umfassen weiterhin Leistungen, über deren diagnostischen und therapeutischen Nutzen Zweifel bestehen oder die risikoreich sind.- Hierzu zählen auch ungenügend erprobte Methoden, deren Risiken bislang gar nicht oder nicht gut untersucht und daher nicht kalkulierbar sind."

Für IGe-Leistungen ist Information über Zweck und Risiken sowie Ihr Einverständnis erforderlich. D.h. Sie unterschreiben, dass Sie umfassend und sachgerecht aufgeklärt wurden und mit dem Test einverstanden sind. Weiter heißt es: "Leistungen, die über das Maß einer medizinisch notwendigen ärztlichen Versorgung hinausgehen, darf er nur berechnen, wenn sie auf Verlangen des Zahlungspflichtigen erbracht worden sind." (GO Ä,§1,Abs.2) Quelle: Klaus Zok, Wiss. Mitarbeiter AOK.

Erfahrungsberichte von schwangeren Frauen  schildern häufig ene offensive Werbung bis hin zur Aufforderung, zu unterschreiben, dass eine IGe-Leistung nicht in Anspruch genommen wurde.

3. Pränataldiagnostik (PND) (nur in der Arztpraxis)
Pränataldiagnostik hat mit Vorsorge nichts zu tun. Was ursprünglich eine Ausnahmeuntersuchung war, ist inzwischen unmerklich zu einem Regelangebot für alle schwangeren Frauen geworden. Schwangere Frauen wissen zum überwiegenden Teil gar nicht, dass auch der Basis-Ultraschall und der kostenfreie Diabetestest als Reihenuntersuchung PND sind. Routineangebote sind 3 Basis-Ultraschalluntersuchungen. Alternativ wird für den 2. Basis-Ultraschall Feinultraschall angeboten. Dieser Test ist für das Kind mit hohen Belastungen allein wegen der Dauer von 40-60 Minuten verbunden. Diese Untersuchungen werden ohne Anlass/ Indikation durchgeführt, wenn Sie sie haben wollen. Sofern Ihnen ein Risiko bescheinigt wurde, geraten Sie unter stärkeren Entscheidungsdruck, weil Ihnen noch mehr Untersuchungen dringend empfohlen werden. Risikopatientin sind Sie automatisch, wenn Sie z. B. älter als 35 Jahre sind.

Nackenfaltenmessung, Triple-Test, Chorionzottenbiopsie, Bluttest, Fruchtwasserentnahme usw. haben eins gemeinsam: Sie suchen Fehlerhaftes, Auffälliges, um letztlich Kinder "auszusieben", die nicht der Norm entsprechen. Die Folge ist schon heute, dass es viele Spätabtreibungen gibt, mit erheblichen seelischen und körperlichen Folgen für die ganze Familie inclusive nachfolgender Kinder.
Eltern, die sich für eine PND entscheiden müssen ausführlich beraten und informiert werden, auch über Risiken für sich selbst und das Kind. Ausser der ärztlichen Informationspflicht, die auch enthalten muss, dass Eltern ein recht auf Nichtwissen und ungetestete Schwangerschaft haben, gibt es Beratungsstellen, die ursprünglich vor einer PND aufgesucht werden sollten, so wollte es der Gesetzgeber. Inzwischen ist es aber meist so, dass Eltern nicht wirklich informiert, nach PND plötzlich mit einer Wahrscheinlichkeits-Aussage konfrontiert sind, die sie in tiefe Konflikte stürzt. Fragen über Fragen:

Z. B. was heißt eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 250 oder 30 : 200?  was ist, wenn das Kind wirklich behindert ist? Und wenn nicht? Was kann man tun, wenn man das Kind jetzt nicht heilen kann? Muss es vorzeitig operativ entbunden werden? Wird es dadurch Schaden nehmen? Was bedeutet das für die gesamte Familie? Sollen wir abtreiben? Wir spüren es doch schon. Es hat schon einen Namen. Austragen? Und dann? Gibt es Hilfe?
Die Not betroffener  Eltern ist groß.
Die Gesellschaft als Ganze ist gefragt, wie sie mit Kindern, die eine genetische Normabweichung haben, umgehen will. Viele andere Behinderungen/ Beeinträchtigungen können durch PND gar nicht festgestellt werden.

Sicher ist eins: Der Stress, der auf Eltern und auf Kindern lastet, ist nicht messbar, wirkt sich aber aus.
Die PND mag für einige Eltern wichtig sein. Viele Eltern denken mit unguten Gefühlen an diese Zeit zurück und etliche sagen: Nie wieder.
Wir könne Ihnen nur empfehlen, sich vor einer ersten PND darüber klar zu werden, ob Sie ihr Kind auch noch spät, nach der 12. Woche abtreiben würden. Wenn Sie dazu "Nein" sagen, brauchen Sie keinen einzigen Test. Sie schonen und schützen sich und Ihr Kind, das aller Wahrscheinlichkeit nach völlig gesund und stressfrei wachsen und zur Welt kommen wird.

In der Arztpraxis sind Vorsorge, IGe-L und PND nicht klar zu unterscheiden.

Das Honorar von ÄrztInnen hängt davon ab, wie viele Leistungen sie abrechnen. Eine Risikoschwangerschaft ermöglicht dem Arzt, bei Ihnen mehr Untersuchungen durchzuführen als bei einer gesunden schwangeren Frau. Laut WHO sind 85 - 90 % aller Frauen gesund, was mit der hohen Anzahl von Risikoschwangeren (ca. 80 %) nicht zusammenpasst.
Arztpraxen profitieren vom „Mitnahmeeffekt“, und von Reihenuntersuchungen, solange werdende Eltern dem Irrtum erliegen „Was die Krankenkasse bezahlt, wird wohl gut fürs Kind sein“. Warum sollte eine Arztpraxis Sie über Ihren Irrtum aufklären?
Es gibt zum Glück auch ÄrztInnen, die sehr achtsam sind und Ihnen nichts unnötig verkaufen oder aufdrängen wollen.



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