Vorsorge Pränataldiagnostik

Was ist was?

Wir sprechen Sie als werdenden Vater an, weil es uns wichtig erscheint, dass Sie eine Haltung zu Vorsorge einerseits und Pränataldiagnostik andererseits finden und Ihre Partnerin damit nicht alleine ist. Bitte informieren Sie sich über beides, bevor Sie ungewollt in eine Spirale von Fragen und Ängsten geraten, die die ganze Schwangerschaft überschatten kann.

Vorsorgeuntersuchungen sind grundsätzlich freiwillig. Vorsorge ist auf jeden Fall sinnvoll. Als werdende Eltern bestimmen Sie, welche Vorsorgeuntersuchungen Sie wahrnehmen wollen und welche nicht. Achten Sie darauf, dass nicht "nebenbei" Routineuntersuchungen und Screenings vereinbart werden ohne das dafür eine Indikation vorliegt.

In der Arztpraxis ist der Übergang zwischen Vorsorge und Pränataldiagnostik fließend. Sie haben ein Recht darauf, dass begründet wird, warum bei Ihrer Freundin/Partnerin gerade dieser Test gemacht werden soll, z. B. um festzustellen, ob sie einen Schwangerschaftsdiabetes hat. Dafür müssen Anzeichen vorliegen. Die Verabreichung von hochprozentigen Zuckerlösungen ist ohne triftigen Grund nicht gerechtfertigt, weil auch das ungeborene Kind diese Zuckerdosis verstoffwechseln muss. Und die winzige Leber Ihres Kindes ist auf solche Konzentrationen nicht eingestellt. Bis vor kurzer Zeit mussten Eltern diesen Test selbst bezahlen. Jetzt hat die Krankenkasse diese ehemaligre IGe-Leistung übernommen.

In der Hebammenpraxis würde Ihnen der Diabetes-Test nur empfohlen werden, wenn es Hinweise auf diese Stoffwechselstörung gäbe, die oft nur in der Schwangerschaft auftritt.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll?
Einige Untersuchungen, die die Krankenkasse bezahlt, dienen der sinnvollen Vorsorge, z.B. die Untersuchungen des Blutes (zur Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors, des Eisengehaltes), Urin, Blutdruck. Alle Vorsorgeuntersuchungen können auch von einer Hebamme durchgeführt und im Mutterpass eingetragen werden.

Von Ärzten werden deutlich mehr Untersuchungen angeboten. Dazu gehören verschiedene Screenings. Das englische Wort bedeutet: Durchsieben, Rasterung, Selektion, Durchleuchten. Es geht also um systematische Testverfahren, die eingesetzt werden, um innerhalb eines definierten Prüfbereichs (ungeborenes Kind) bestimmte Eigenschaften des Prüfobjekts zu identifizieren. Ein Screening ist somit ein "Siebtest". Im Deutschen wird „Screening“ mit Reihenuntersuchung übersetzt.

Wir meinen, dass jeglicher Test nur dann durchgeführt werden sollte, wenn eine individuelle Notwendigkeit (Indikation) besteht. Das gilt auch, wenn die Kasse zahlt.

Die Zahl der von Ärzten angebotenen Untersuchungen erhöht sich deutlich, wenn Ihre Partnerin zu den 65-75 % aller Frauen gehört, denen anhand der Kriterien im Mutterpass eine Risikoschwangerschaft bescheinigt wird. Diese Diagnose ist für die meisten schwangeren Frauen seelisch eine schwere Last, auch wenn es lächerlich erscheinen mag, dass sie als risikoschwanger gilt, sobald ihr 35. Geburtstag in die Zeit der Schwangerschaft fällt. Welche Schwangere ist in dieser Situation imstande, sich unbeschwert auf ihr Kind einzustellen? Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sie sich ängstlich Sorgen machen und alles tun, um das attestierte Risiko zu mindern.

„Risikoschwangerschaft“ bedeutet für Ärzte, dass sie deutlich mehr Leistungen abrechnen können.
Aus diesem Grund und weil laut WHO 85 - 90 % aller Frauen gesund sind, erscheint die Anzahl der attestierten Risikoschwangerschaften als deutlich zu hoch.

Erfahrungsberichten von Eltern entnehmen wir, dass sich eine schwangere Frau vor diesen Praktiken wohl nur schützen kann, indem sie die Vorsorge bei einer Hebamme machen lässt. Diese hat kein finanzielles Interesse, Risiken zu finden. Sollte sie die Gesundheit der werdenden Mutter als fraglich betrachten, ist sie verpflichtet, sie umgehend zu einem Arzt zwecks Abklärung zu schicken oder ihn beratend hinzuziehen.

Ärztlicherseits sehen wir wenig oder kein Interesse, schwangere Frauen über den Unterschied zwischen Vorsorge und Pänataldiagnostik aufzuklären. Die Krankenkassen übernehmen drei Basis-Ultraschalluntersuchungen, sodass die Annahme nahe liegt, es handelte sich dabei um Schwangerenvorsorge. Ultraschall hat aber eine Doppelfunktion. Bei Beschwerden kann mit seiner Hilfe eine Abklärung erfolgen. Mit Ultraschalluntersuchungen kann aber auch pränataldiagnostisch Fehlersuche stattfinden. Das müssen Eltern wissen. Denn ihnen sollte die Möglichkeit gegeben werden, bewusst zu entscheiden, ob sie für ihr Kind Pränataldiagnostik wollen oder nicht. Außerdem haben Sie ein Recht auf Nichtwissen.

Wir befürworten eine Ultraschalluntersuchung ca. in der 20. Schwangerschaftswoche, um herauszufinden, ob die Plazenta den Muttermund versperrt und um zu erfahren, ob Sie Zwillinge erwarten. Grund: Die Unbedenklichkeit von Ultraschalluntersuchungen konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Jedem Mutterpass liegt ein Merkblatt bei. Dem können Sie entnehmen, wodurch es zu folgenreichen Falschmessungen kommen kann. Als Eltern gelten Sie mit Überreichen des Merkblatts als informiert. Sie können ja lesen und bei Unklarheiten Fragen stellen. D.h. Sie als Eltern tragen die Verantwortung allein – auch bei Falschdiagnosen, was nicht selten vorkommt. Als Fehlerquellen werden im Merkblatt angegeben: Fruchtwassermenge, Lage des Kindes, Stärke der mütterlichen Bauchwand, Zustand des Medizingerätes, Ausbildungsstand des Untersuchers.

Werdende Eltern können und müssen wählen, welche Untersuchungen sie in Anspruch nehmen möchten. Zu keiner sind sie verpflichtet. Für Ihre und die Sicherheit Ihres Kindes raten wir ihnen, sich frühzeitig eine Hebamme zu suchen, die Sie in Ihren Entscheidungen unterstützt.

Privat versicherten Frauen werden häufiger pränataldiagnostische Untersuchungen, wie z. B. Ultraschall, Fruchtwasseruntersuchungen usw. angeboten als nötig wäre. Machen Sie sich klar, es handelt sich um Dienstleistungen, die Sie auf dem Gesundheitsmarkt einkaufen.

Der Partnerin den Rücken stärken
Für Ihre Partnerin ist es entlastend, wenn Sie die Verantwortung nicht alleine tragen muss, insbesondere, wenn bei ihr ungute Gefühle oder Skepsis aufkommen. Beachten Sie bitte: Schwangere Frauen reagieren empfindsamer als gewöhnlich. Sie entwickeln ein natürliches Bedürfnis, ihr Kind zu schützen. Nehmen Sie das ernst. Drängen Sie Ihre Partnerin niemals zu etwas, was ihr widerstrebt. Lassen Sie sie nicht allein.
Es ist sinnvoll, gemeinsam vorab abzuwägen, was Sie wollen und was nicht. Dazu haben Sie immer genug Zeit, denn IGe-Leistungen, die Sie selbst bezahlen, sind niemals eilig.

Sie als Eltern haben gesetzliche Rechte, und Sie vertreten die Rechte Ihres Kindes. Ihre Entscheidungen sind zu respektieren. Dafür brauchen Sie Informationen und Sicherheit, um Ihre Rechte wahrnehmen zu können. Es kann sehr hilfreich sein, sich dabei auf das Fachwissen einer Hebamme zu stützen.

Mediziner sind in vielen Bereichen technisch hochgerüstet. Jedoch verfügen sie nicht über das Erfahrungswissen von geburtshilflich erfahrenen Hebammen. Diese Tatsache sollten Sie im Auge behalten. Wohlfahrtsverbände haben zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) eine Broschüre zur Pränataldiagnostik erarbeitet. Sie bekommen dort wichtige und auch kritische Hinweise. Ihre Verantwortung nimmt Ihnen niemand ab, und die Konsequenzen tragen am Ende Sie als Eltern. Wir empfehlen Ihnen diese Broschüre, weil Sie auch über Risiken, falsche Ergebnisse und Unwägbarkeiten informiert.

Der Flyer Nr. 13625100 “Pränataldiagnostik - Beratung, Methoden und Hilfen“ von der BzgA 51101 Köln ist sehr zu empfehlen.
Sie finden sehr gut geliederte Hinweise zu den häufig angewandten PND-Methoden wie Fruchtwasseruntersuchung, Ultraschall, Ersttrimester-Test, Tripel-Test usw. Auch erfahren Sie Erfahrungswerte zu Risiken und sonstigen Unwägbarkeiten. Die Information ist in Zusammenarbeit mit der AWO, der Caritas, dem PARITÄTISCHEN, dem DRK, der Diakonie, Pro Familia u.a. erstellt.
Bei Bestellung wird Ihnen der Flyer "Pränataldiagnostik" kostenfrei zugesandt.