Geburtshormone Geschenk der Evolution

Der Geburtsprozess ist ein archaisches Geschehen

Die naturgemäße Geburt wird vom Stammhirn gesteuert. Das ist der Teil des Gehirns, der das Überleben der Gattung sichert. Ähnlich einer Drüse setzt es die Geburtshormone frei. Frauen oder weibliche Säugetiere können ohne bestimmte Hormone, die direkt oder indirekt in den Urstrukturen des Gehirns produziert werden, keine Nachkommen zur Welt bringen. Archaische Vorgänge sichern die Geburt, den Beginn der Atmung, Muttermilch zu bilden, zu stillen und ausscheiden können. Bei den Menschen ist es so: Verschiedene Kulturen entwickelten unterschiedliche Verhaltensweisen rund um die Geburt.

In industrialisierten, technisch und medizinisch ausgerichten Kulturen gebären nur wenige Frauen mit Hilfe ihrer eigenen Hormone. Diese werden zunehmend ersetzt. Zur Geburtseinleitung, Wehenbeschleunigung, Schmerz"bekämpfung" werden Frauen synthetische Hormone und hochpotente Schmerzmittel verabreicht. Oft reagieren Kinder mit "schlechten Herztönen", ein medizinisch herbeigeführter Notstand. Nun kann das Kind nur noch durch Kaiserschnitt gerettet werden.

Können wir es uns noch länger leisten, das Geschenk der Evolution zu ignorieren, ohne langfristige Auswirkungen auf Kosten der Kinder- und Frauengesundheit befürchten zu müssen? Wir brauchen dringend ein Umdenken, zuallererst beim medizinischen Fachpersonal.
Eltern sollten diese Zusammenhänge verstehen, damit sie sich gut informieren und Fragen stellen können. Zunehmend begrüßen Kliniken es, wenn Eltern einen selbst erarbeiteten "Geburtsplan" mitbringen. Darauf können Wünsche und auch Forderungen stehen, die dem Personal deutlich machen, es mit gut informierten Eltern zu tun zu haben.

Literatur
Elisabeth Geisel: Tränen nach der Geburt. 1997.
Dieses Buch gibt es antiquarisch. Es hat nichts von seiner Aktualität verloren.
Elisabeth Geisel ist GfG Ehrenvorsitzende nach 20 Jahren Vorsitz der „Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Frauengesundheit und Familienbildung“.

Kerstin Uvnäs Moberg: Oxytocin, das Hormon der Nähe. Heidelberg 2016.
Kerstin Moberg ist Professorin, forscht am Karolinska-Institut in Stockholm und weltweit anerkannte Expertin zur Erforschung des Hormons Oxytocin.