Naturgemäße Geburt

Was wir darunter verstehen

Die Geburt beginnt mit Wehen, die das Kind auslöst. Der errechnete Termin (ET) ist dabei lediglich der mittlere Termin eines geschätzten Zeitraums. Eine Studie belegt, dass die Reifungszeit von Babys um bis zu 37 Tagen variiert. Um sich dem  Geburtsgeschehen überlassen zu können, braucht die Gebärende einen abgedunkelten, ruhigen Raum, in dem sie sich wohlfühlt und in dem Menschen bei ihr sind, denen sie vertraut.

Ist die äußere Situation sicher, setzen die Funktionen des Stammhirns für das naturgemäße hormonelle Zusammenspiel zwischen Kind und Mutter ein. Im Stammhirn liegen die ältesten Hirnregionen. Bei der Geburt werden diese aktiv. Sie bewirken die Ausschüttung unter anderem von Oxytocin, wodurch die Wehen beginnen und Endorphinen. Das sind körpereigene schmerzlindernde Hormone.

Die Gebärende ist mit ihrer Atmung beschäftigt. Sie richtet idealerweise ihre Aufmerksamkeit nach innen und spürt ihr Kind. Beide meistern die Geburt  wie eine gemeinsame Arbeit. Der Körper der Gebärenden öffnet sich und wird weit. Das geht in den seltensten Fällen vollkommen schmerzlos vonstatten. Eine Frau, die selbstbestimmt und naturgemäß gebären möchte, sorgt für eine Umgebung und Menschen, die ihr gut tun. Der Wunsch, ihr Kind aus eigener Kraft auf die Welt zu bringen, ist eine starke Motivation. Getragen vom Vertrauen in die eigene Fähigkeit zu gebären, kann sie ungeahnte Kräfte entfalten.

Bewegung während der Geburt ist sinnvoll, weil durch eine wechselnde Haltung dem Baby erleichtert wird, seinen Weg zu finden. Anregungen einer erfahrenen Hebamme, wann welche Geburtsposition für den Fortgang der Geburt förderlich sein kann, können hilfreich sein. Die Gebärende soll in dieser außergewöhnlichen Situation nicht nachdenken müssen. Deshalb kann Führung und freundliche Empfehlung gut tun. Wie eine Geburt verläuft, hängt von vielen Faktoren ab, äußeren und inneren, körperlichen und seelischen.

Die innere Erlaubnis, nicht um jeden Preis durchhalten zu müssen, gibt Freiheit und verhindert die Entstehung von Stress.

Es gilt, Respekt vor dem uralten archaischen Geschehen einer Geburt zu haben. Es ist genauso wichtig, Respekt zu haben vor dem kleinen Menschen, der geboren wird und möglicherweise noch mehr bestimmt als nur den Zeitpunkt seiner Geburt. Jede Geburt ist bestimmt von Bewegung und Ruhe. Wehenpausen gönnen Mutter und BabyZeit, um neue Kraft zu schöpfen.

Die Geburt ist beendet, wenn sich die Plazenta von der Gebärmutterwand gelöst hat. Dies geschieht von selbst, wenn dem geborenen Kind Zeit gegeben wird, das in Plazenta und Nabelschnur befindlichen Blut vollständig in sich aufzunehmen. Ist die Nabelschnur blass und es pulsiert kein Blut mehr, ist die Arbeit der Plazenta abgeschlossen. Erst dann ist die Geburt beendet und die Nabelschnur kann durchtrennt werden. Das Baby startet mit höchst möglichem Geburtsgewicht. Seine Lunge, seine Organe nehmen die Arbeit der Aufnahme und Ausscheidung von Sauerstoff und Nährstoffen auf. Dieses wurde im Mutterleib von der Plazenta geleistet.

Während das Baby noch durch die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt wird, kann die Lungenatmung sanft einsetzen. Das Baby bleibt entspannt. In den ersten zwei Stunden nach der Geburt gibt es nichts Wichtigeres als die Wiederanbindung des Babys an seine Mutter. Eben war es noch in ihrem Bauch, nun kann es auf ihrem Bauch liegend ausruhen und auf der Welt ankommen. Im Hautkontakt zur Mama findet die vertraute körperliche Nähe ihre Fortsetzung. Auch erkennt das Baby die Stimme seiner Mutter. Mutter und Kind sind durchströmt von Oxytocin, dem Hormon, was dazu führt, dass die Mutter sich in ihr Kind verliebt. Nachgewiesen ist, dass auch der Vater einen erhöhten Oxytocinspiegel aufweist und das Baby auch seine Stimme erkennt.

Mit der sofortigen Kontaktaufnahme sichert die Natur das Überleben des Babys. Gleichzeitig wird die Milchbildung bei der Mutter angeregt. Das Kind wird von sich aus anfangen, zu schauen und den Kontakt zur Mutter zu suchen. In seiner eigenen Zeit wird es auch Augenkontakt mit dem Vater aufnehmen. Die Käseschmiere ist eine schützende Schicht auf dem Körper des Neugeborenen. Sie zieht in seine Haut ein und braucht nicht abgewaschen zu werden. Das Baby wird aus eigener Kraft die mütterliche Brustwarze finden und anfangen zu saugen. All das braucht Ruhe, sanftes Licht und eine friedliche Umgebung, in der nichts wichtiger ist als dieser erste Momente im Leben des kleinen Menschen.