Ambulante Beleggeburt Interview mit Hebamme

Hebamme können mit Kliniken Belegvertrag schließen


Mancherorts gibt es Hebammen, die mit dem regionalen Krankenhaus einen Vertrag abschließen, um eine schwangere Frau, die sie von Beginn der Schwangerschaft an betreuen, auch während der Geburt im Krankenhaus begleiten zu können. Die Beleghebamme ist dann für die Geburt allein verantwortlich, kann aber im Notfall auf ärztliche Hilfe rechnen. Der Partner kann bei der Geburt zur Seite stehen. Nach der Geburt und einer angemessenen Ruhezeit verlassen Mutter, Vater und Baby das Krankenhaus. Der Vorteil für die Mutter liegt darin, dass sie ihre vertraute Hebamme bei sich hat und dass sie die Vorstellung haben kann, dass im Notfall ärztliche Hilfe schnell zur Stelle ist.

Ambulante Geburten mit einer Beleghebamme sind in manchen Krankenhäusern möglich, aber längst nicht überall. Beleghebammen sind selbstständig tätig. Jede Hebamme Ihrer Region kann Ihnen Beleghebammen nennen.
Dass auch Beleggeburten sehr unterschiedlich verlaufen können, entnehmen Sie bitte dem nachfolgenden Interview.

Interview mit einer Beleghebamme
die mit zwei Krankenhäusern völlig unterschiedliche Erfahrungen machte.

GreenBirth: Frau T., wir haben gehört, dass Sie als selbstständige Hebamme ambulante Geburten im Krankenhaus anbieten. Wir wollen unseren LeserInnen etwas über die Qualität der ambulanten Geburt mitteilen. Was können Sie dazu sagen?

Zum Krankenhaus N.
Hebamme:
Da ich an zwei verschiedenen Krankenhäusern ambulante Geburten begleite, kann ich von sehr verschiedenen Bedingungen berichten. Fange ich mit dem Krankenhaus in N. an. Ich versuche, hier möglichst viele Schwangere hinzulotsen, weil sie hier einfach in Ruhe ihr Kind bekommen können.

GreenBirth: Was bedeutet das im Blick auf die ärztliche Begleitung?

Hebamme: Es bedeutet, dass ein Arzt im Hintergrund bleibt. Ich weiß, dass er da ist, wenn ich ihn brauche und er weiß, dass ich ihn rufe, wenn es nötig ist. Wir können uns aufeinander verlassen.

GreenBirth: D.h., Frau und Partner gehen nach der Geburt mit Kind wieder nach Hause?

Hebamme: Ja, nach einer Ruhepause, wenn es keine Komplikationen gibt. Die Frau weiß, dass ich dann vorerst täglich zur Nachsorge komme und ich weiß, dass das Kind zuhause am besten aufgehoben ist.

GreenBirth: Wie ist es, falls ein Kaiserschnitt sein muss?

Hebamme: Hier in N ist es so, dass der Vater das Kind nach dem Kaiserschnitt bekommt und die Mutter nach dem Nähen sofort zum Vater und dem Kind gebracht wird. Ganz in Ruhe wird das Kind der Mutter an die Brust gelegt, weil die Bindung wichtig ist und im Vordergrund steht.

Krankenhaus E.

GreenBirth: Wie lässt sich der Unterschied zu dem andern Krankenhaus beschreiben?

Hebamme: Der Unterschied ist gravierend. In E. fängt das schon mal so an, dass die Frau bei der Aufnahme einen Ultraschall bekommt und dass ihr eine Verweilkanüle gelegt wird. Man nimmt ihr Blut ab, was ich sonst immer erst mache, wenn sich ein Kaiserschnitt abzeichnen würde. Dann ist es so, dass ich ständig das Gefühl habe, die Frau schützen zu müssen. Ich bin gezwungen, ab 3-4 cm Muttermundöffnung ein Dauer CTG zu schreiben. Wenn es zu einer zweistündigen Wehenpause kommt, was im Laufe eines Geburtsprozesses ganz normal sein kann, wird sofort mit Wehenmitteln eingegriffen. Ich wage kaum, den Raum zu verlassen, dann kann es nämlich passieren, dass sich ein Arzt einschaltet und eine Zwischenkontrolle macht. Der fragt nicht, ob die Frau das will. Nach jeder Geburt wird routinemäßig Oxytocin gespritzt, ohne die natürlichen Vorgänge der Plazentaablösung abzuwarten. Es fehlt einfach die erforderliche Ruhe, sicherlich aus Personal- und Raummangel.

GreenBirth: Dann gibt es ja nur den einen Unterschied, dass Sie als Begleiterin immer dabei sind.

Hebamme: Ja, das ist schon so, wobei ich diese Wächterrolle sehr anstrengend finde. Z. B. musste ich einmal richtig laut werden und dem Arzt sagen, dass ein Dammschnitt nicht nötig wäre. Trotzdem stand er mit seiner Schere dabei. Das ist einfach belastend. Die Krankenhaushebammen sehen das alles auch, aber sie sagen nichts, weil sie Angst um ihren Job haben.

GreenBirth: Wie geht es dann weiter, das Kind ist geboren und dann?

Hebamme: Es wird nicht immer abgewartet, dass die Nabelschnur von allein aufhört zu pulsieren. Vorzeitiges Abnabeln ist schließlich nicht förderlich bei der Atemumstellung des Babys auf die Lungenatmung. Das ist ein vegetativer Prozess, der Ruhe erfordert und Achtsamkeit.

Dann folgen noch Untersuchungen am Kind. Z. B. entnimmt man dem ambulant entbundenen Kind routinemäßig Blut aus der Ferse zur Erkennung von Stoffwechselkrankheiten, obwohl das erst nach 36 Stunden labortechnisch Sinn macht. Ich muss das dann also nach 36 Std. zuhause wiederholen, und die Blutentnahme im Krankenhaus war nutzlos.

Ich finde es auch schade, dass die Eltern ihr Kind erst angezogen zu sich nehmen dürfen. Alles andere, wie das Wiegen und Messen und die kinderärztliche Untersuchung sind anscheinend wichtiger, als dieser erste wichtige Kontakt. Oft werden die Eltern außerdem noch unter Druck gesetzt, indem man ihnen sagt, es wäre aber besser, wenn das Kind noch da bliebe und ob sie die Verantwortung übernehmen wollten. Die müssen dann unterschreiben „gegen ärztlichen Rat“, obwohl kein Grund dafür da ist, noch länger zu bleiben.

Ich mache es so, dass ich die Eltern darauf vorbereite. Aber eine Verunsicherung ist es schon.

GreenBirth: Wie ist es, wenn ein Kaiserschnitt sein muss?

Hebamme: Dann ist es so, die Mutter wacht auf und dann kommt es darauf an, wo der Vater und das Kind sind. Es ist ein Problem, dass an dem Krankenhaus eine Kinderklinik angeschlossen ist. Ein Anästhesist hat mir mal gesagt, überall da, wo eine Kinderklinik wäre, müssten die Betten auch belegt werden. Das ist nach meinem Eindruck auch so.

GreenBirth: Sie meinen, dass das die Ärzte verleiten könnte, die Kinder schneller zu verlegen und länger dazubehalten als nötig?

Hebamme: Ja, genau, so erlebe ich das. Ich habe mich mit denen auch schon auseinandergesetzt, aber es ändert sich einfach nichts.

GreenBirth: Frau T., wir danken für das Gespräch