Dauer der Schwangerschaft variiert stark

"Geburtszeitraum" trifft es besser als "ET"

Nur vier von hundert Babys kommen am errechneten Geburtstermin (ET) zur Welt. Nach der sog. Terminüberschreitung wird von medizinischer Seite oft Druck auf die schwangere Frau ausgeübt. Eine Studie von 2013 (USA) dokumentiert einen Geburtszeitraum von 37 Tagen. Damit bestätigt sich annähernd die auf Erfahrungswissen basierende Faustregel: Geburtszeitraum = ET plus/minus 14 Tage.

Zusammenfassung der Studie
Durch die Untersuchung von täglichen Urinproben bei 125 Frauen konnte erstmals der exakte Zeitpunkt der Befruchtung festgestellt werden. Dadurch wurde eine genauere Beobachtung der Schwangerschaftsdauer möglich als mit der sonst üblichen Frage nach der letzten Regel. Die Länge der Schwangerschaften in der untersuchten Gruppe variierte dabei von der Befruchtung bis zur Geburt um 37 Tage. Dies verdeutlicht, dass der ET ein geschätztes Datum ist. Es wäre korrekter, von einem Geburtszeitraum von 37 Tagen auszugehen. So gibt es normalerweise keinen Grund zu schnellem Eingreifen, sobald der ET überschritten wird.

Fazit
Wissenschaftler raten Geburtshelfern, die naturgemäße Länge von Schwangerschaften stärker zu respektieren.

Mitlerweile (2020)  ist die Arbeit an einer neuen Leitlinie fast abgeschlossen. Diese soll evidenzbasiert sein und die Mängel der bisherigen Leitlinie beheben. Wir hoffen, dass sich damit die Haltung des Fachpersonals verändert, wenn der Mittelwert erreicht wird.

Zur Beachtung:
Bei Terminüberschreitung sind Ärzte gehalten, sich an die sog. Leitlinien zu halten. „S1“ bedeutet, dass es wenig gesicherte wissenschaftliche Nachweise gibt. Das heißt, die Leitlinie S1 ist wissenschaftlich nur wenig untermauert.
Die Leitlinie „S1 zur Terminüberschreitung“ wurde von der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaften (DGHWi) kritisch unter die Lupe genommen. Die Nachprüfungen führen zu einem bestürzenden Urteil über die Qualität dieser LeitLeitlinie.
Stellungnahme zu Leitlinie S 1 durch die DGHWi

Studie zur Feststellung der variierenden Länge von Schwangerschaften
Studie (englisch)