Zwischen den Stühlen Vorsorge bei Ärztln, Hebamme oder beiden?

Schwangere Frauen entscheiden

Hier Vorsorge bei der Ärztin, da bei der Hebamme? was gilt, was ist rechtens? Tatsächlich gibt es zwei Sachverhalte, die dazu führen, dass sich Frauen fühlen, wie zwischen die Stühle zu geraten.

Sitzen zwischen zwei Stühlen

 1. Ein Arztvorbehalt (in den Mutterschaftsrichtlinien) bezüglich der
      Hebammenvorsorge verletzt zwei Rechtsgüter.
      Es verunsichert schwangere Frauen, wenn ihnen entgegen gehalten wird,
      die Arztvorsorge sei vorrangig.

      a) Das Recht auf Selbstbestimmung für die eigene Gesundheit und damit das Wahlrecht,
      sich dort hin zu wenden, wo es die Frau für richtig hält, ist im Grundgesetz Artikel 2,2 verbrieft.
      Beide, Hebammen und Ärztlnnen bieten gleichberechtigt Vorsorge an.
      Die Frau wählt.

b) Das Hebammenberufsrecht regelt auch auf europäischer Ebene, dass Hebammen
    die Kompetenz haben, vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit eine schwangere
    Frau zu begleiten. Die Hebamme hat auch die berufliche Kompetenz und die Verpflichtung, eine schwangere Frau
    an eine Ärztin zu verweisen, wenn eine Schwangerschaft nicht regelrecht verläuft.

2. Von Arztpraxen wird gegenüber schwangeren Frauen oft vertreten, die Vorsorge müsse komplett in der Arztpraxis erfolgen, sonst könne die Ärztln ihre Leistungen mit der Krankenkasse nicht abrechnen.

Diese Auffassung wird immer wieder vorgetragen. Sie ist falsch. Schwangere Frauen haben das Recht zu wählen, wo sie die Vorsorge machen wollen. Hebamme oder Ärztln schreiben in den Mutterpass, welche Untersuchungen gemacht wurden. So kann es keine Doppelabrechnungen geben. Die Arztpraxis kann die Behandlung/Beratung einer schwangeren Frau, die am Ende des Quartals in die Arztpraxis geht oder nur einmal zur Vorsorge erscheint, abrechnen.

Mehr im Artikel Schwangerschaftsvorsorge im Spannungsfeld der Berufsgruppen - Ein Plädoyer für Kooperation auf Augenhöhe und eine selbstbestimmte Schwangerschaftsbegleitung. In: Gesundheits- und Sozialpolitik (G&S), Jahrgang 75 (2021). 

Foto: Yvonne Piehler

07/2021